Beitrag zum „Lichtfest“ in Leipzig am 9. Oktober 2009
Bei aller Freude über den Jahrestag der „Friedlichen Revolution“ sollte man nicht vergessen und daran erinnern, wer beim Demonstrieren nebenan stand. Die Installation „Konfettiparade“ tat das zum 20. Jahrestag der Montagsdemonstrationen in Leipzig. Das über den feiernden Menschen mittels einer Kanone ausgeschüttete Konfetti bestand aus kleinen Visitenkarten, auf denen ein Deckname und ein Beruf zu lesen war. Die Zehntausend anonymen Inlandsspione wurden aus den Unterlagen der Birthler-Behörde des Verwaltungsbezirkes Leipzig entnommen und gehören zu den etwa 11 000 aktiven Inoffiziellen Mitarbeitern des Stasi im Jahr 1989. Bundesweit waren etwa 200 000 Nebenberufstätige im Dienst für die Sicherheit des Volkes. Wie eine unfreiwillige Werbemaßnahme verstreuten sich die Kärtchen auf der Straße, wurden zertreten oder als Andenken aufgelesen. Die Klarnamen, die sich hinter den Phantasienamen verbergen kennen nur wenige. Es ist zwar fraglich, ob die, die damals mit marschiert sind, wieder dabei waren und sich auf eine der Karten wieder fanden. Viele von ihnen leben heute ohne jegliches Schuldbewusstsein für das, was sie ihren Mitmenschen zugemutet haben. Für alle anderen, vor allem für jüngere Generationen, die in der DDR eher eine Wohlfühl-Republik mit Kultstatus sehen, sollte der laute Knall und das Zischen der Kanone aus dem Häschen DDR wieder das machen, was sie war, ein Überwachungsstaat, der wenig Sinn für Humor hatte.
VL

Alte Reflexe: Aufsammeln, um sich zu freuen oder vermeintliches Beweismaterial verschwinden zu lassen.
FIM -> Führungs-Inoffizieller Mitarbeiter
IM -> Inoffizieller Mitarbeiter
IMS -> Inoffizieller Mitarbeiter Sicherheit
HIM -> Hauptamtlicher Mitarbeiter Sicherheit
IMK -> Inoffizieller Mitarbeiter zur Sicherung der Konspiration
GMS -> Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit
OibE -> Offizier im besonderen Einsatz
IMB -> Inoffizieller Mitarbeiter mit Feindverbindung

