Via Lewandowsky

SIM-Karte und Stau

Posted in Moskau by vialewando on 8. Dezember 2008

Man schafft es immer, irgendwie wird noch jede Arbeit vor einer Abreise fertig. Und dann kann man endlich umschalten. Das neue Ziel kann zwischen dem Beobachten von wachsenden Eiskristallen am Kabinenfenster und dem Verzehr einer AirBerlin-Currywurst im Reiseführer studiert werden. Die Entscheidung für den mit dem ITB BuchAward ausgezeichneten CityGuide von Heike Maria Johenning erweist sich als goldrichtig. Man liest nicht nur von abwegigen Sloterdijkschen Interpretationen des alten Sowjetstaatssymbol Hammer und Sichel, für das Lenin sich angeblich nicht nur der Vereinigung von Arbeiter und Bauern, sondern auch wegen der Symbolik Hammer gleich Kreuz und Sichel gleich Halbmond entschieden haben soll. Gerade wegen der aktuellen Konflikte zwischen den Religionen ein besonders unterhaltsamer Exkurs. Man erfährt auch etwas von der geheimen Kreml-U-Bahn, die sofort auf meine Liste der must-see-Orte kommt. Diese Liste ist noch spärlich. Ein Punkt steht da schon seit 1994 drauf: die Kreml-Pille. Allerdings erkrankte ich damals am zweiten Tag an einer schweren Diarrhoe und mußte alle Untermehmungen abblasen. Vielleicht finde ich sie diesmal auf dem Trödel.

Nach der Ankunft lerne ich, daß Anstehen immernoch mehr mit Selbstverteidigung als mit dem zivilisierten amerikanischen Queuing zu tun hat. Das verzögert das Verlassen des Flughafengebäudes erheblich. Dabei denke ich an die schöne Arbeit von Eva Grubinger, das hilft ruhig zu bleiben.

Später sitze ich mit einer russichen SIM-Karte ausgestattet in einem Geländewagen, der Fahrer sieht aus wie von einer paramilitärischen Einheit und raucht eine nach der anderen. Aus Mangel an Sprachkenntnissen erstirbt schnell das Gespräch des jungen Künstlers, der mich abgeholt hat. Auch das flotte Autorennen mit hochmotorisierten SUV’s und Sportwagen zwischen schlecht beleuchteten, humpelnden Fahrzeugen sowjetischer Bauart kommt zum Erliegen und es beginnt eine zermürbendes Stop and Go. Vorbei an den ausgefransten Rändern einer ins Brachland explodierenden MegaCity. Im Dunkeln habe ich schon längst nach dem fünften Autobahnkreuz die Orientierung verloren. Kurze Telefonnachrichten, als wollte jemand das Mastdarmartige Eindringen in den Stadtmoloch stören.

On-board Entertainment: Ephimere Geometrie.

Endlich in der Stadt, aber noch lange nicht da.

Aufwachen am Morgen: Home sweet home.

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