Via Lewandowsky

Kunstbrand

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 9. April 2010

Unter Kunstbrand versteht man, wenn man den ersten Stichworten bei Google folgt, eine töpferische Leistung. Daran ist vermutlich das Wort Kunst schuld. Dabei gäbe es so schöne Bedeutungsmöglichkeiten, die uns im Zusammenhang von Kunst und Feuer oder auch im Sinne der Brandung bereichern könnten. Zumindest kann man spätestens auf der dritten Stichwortseite Kunstbrand mieten oder für 40 Prozent Ersparnis kaufen. Kunstbrand gibt es also nun auch zu Tiefpreisen. Das ist zwar nicht ganz im Sinne einer etymologischen Logik, aber kommt der Sache schon etwas näher. In früheren Zeiten war vieles, das angebrannt, gebrannt oder verbrannt war, eher ein Zeichen für geringe Wertschätzung. Das Brandmark war sogar die öffentliche Warnung vor der Wert zersetzenden Einstellung einer Person. Die Brandschatzung galt im Allgemeinen als das Gegenteil von Wertschöpfung. Doch die Kunst schafft, es jenseits von hochwertigen Keramikprodukten aus Gebranntem, Verbranntem oder Angebranntem einen signifikanten Wert zu schöpfen. Der chinesische Künstler Xu Bing tut das eindrucksvoll mit der Asche des World Trade Center. Andere haben mit Asche (Zhang Huan) oder Ruß (Jiri Dokoupil) Bilder gemalt. Die Liste der mit Feuer arbeitenden Künstler ist nicht nur durch die Schaustellerei, bei der gern auch effektvoll gekokelt wird, lang. Verbrennen ist die radikalste physische Zumutung, bei der jedes Material in blasses, lichtloses Nichts verwandelt wird. Das ist die Faszination, der Vorgang, der Brand an sich. Selbst die majestätischen Wassermassen, die sich am Ufer brechen, müssen sich zumindest sprachlich diesem Bild unterordnen, Brandung.

Verbrennen von 40 Ausstellungssockeln aus dem Bestand der Nationalgalerie Helsinki anlässlich der Ausstellung „Borders and Beyond“ in der Taidihalli Helsinki.

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Eine Antwort

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  1. Martine said, on 17. August 2011 at 10:19

    Der Beitrag gefällt mir – im großen und ganzen- und ich möchte mich als Inhaber der Kunstbrand-Seite outen, dessen Namensfindung ein gutes Braunstorming voraussetzte,da im weitesten Sinne „Kunst“ aus gebranntem entsteht. Nun empfinde ich, weit davon entfernt mich, mit im Artikel erwähnten Künstlern vergleichen zu wollen, durch den Artikel etwas düpiert, sozusagen der üblichen Arroganz der Kunstwelt dem Kunsthandwerk und dem innewohnenden Anspruch unterworfen.

    Ich meine oft genug haben Künstler ihren Status nicht so verdient, wie Kunst- und Kunsthandwerker der Status in der Welt der Kunst eifersüchtig verwehrt wird.

    Grüße aus der Provinz
    Martine Dupont


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