Via Lewandowsky

DANKE: Ein Entwurf für das Deutsche Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin

Posted in Alles by vialewando on 11. Januar 2011

Danke: Eine Zusammenarbeit für den Wettbewerb zum Deutschen Einheits- und Freiheitsdenkmal von INGES IDEE und VIA LEWANDOWSKY

Am Ort des des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals wird eine aus 8 unterschiedlich großen, sich gegenseitig durchdringenden Stahlkugeln bestehende Skulptur errichtet.

Der im Oktober 1945, insbesondere durch den Oberbürgermeister Berlins initiierte Abriss des im Krieg unversehrt gebliebenen Kaiser-Wilhelm-Denkmals und der geplante Bau eines Denkmals für die Opfer des Faschismus machen gerade diesen Ort für eine Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte so bedeutungsvoll. Ein Wiederaufbau des alten Denkmals kommt der Verweigerung gegenüber einer bewussten Auseinandersetzung mit den nationalen, historischen Ereignissen gleich.

Ein deutsches Freiheits- und Einheitsdenkmal hat eine politische Verantwortung, die über die nationalen Grenzen hinausreicht. Neben den bisherigen Plätzen in Berlin, die mit einer starken Aura und durch ihre Authentizität dokumentarischen Charakter haben, wird dieser Ort sich durch ein neues Bild erfinden müssen.

Auf der Grundlage der wiederhergestellten Anlage – dem Sockel ohne Denkmalsfigur, Zierfiguren und Kolonnaden – wird eine Denkmalsform geschaffen, die sich bewusst von einer architektonischen Herangehensweise distanziert. Dabei wird ein zentrales skulpturales Motiv entwickelt, das traditionelle Elemente mit visionären Formen verbindet.

Die aus Kugelbausteinen bestehende Form ist die Abstraktion einer Vielzahl von Metaphern.

Als Grundbaustein die Kugel zu wählen, folgt dem Bild von Kuppelbauten, Molekular- und Zellstrukturen, Sphärenmodellen und Globen. Das Bild der Kugel vereint den extremen Gegensatz eines physisch unteilbaren Atoms und einer fragilen Seifenblase genauso wie den vielteiliger Zellstrukturen und Schaum. Immer geht es um die Metapher eines lebendigen Zusammenhanges, einer Einheit, eines Verbundes.

Mit dem Bild der Kugel ist ein hohes Abstraktionsvermögen verbunden. Als Universalform bei der Darstellung komplexer wissenschaftlicher Inhalte ermöglicht die Kugel in schematischen Modellen eine dem menschlichen Auge entzogene Sichtbarkeit.

Die Größe der Kugeln ergeben in Abhängigkeit der Entfernung des Betrachters ein perspektivisches Spiel, das die wahre Dimension nicht erkennen lässt. Durch die Leichtigkeit des Balancieren auf einer Kugel wird zusätzlich die Schwere des Gesamtkörpers aufgehoben.

Die Anzahl der Kugeln folgt keiner bestimmten Intention. Sie ist vielmehr Ausdruck einer Interpretationsvielfalt mit einer grundsätzlichen Neigung zur allgemeinen positiven Bedeutung, die der Zahl Acht zugrunde liegt. Die Anordnung und die Größe der Kugeln lässt jedoch ein Erkennen der Anzahl nicht zu.

Die runden Linien der Außenkanten heben sich gegen die Vertikalen und Horizontalen der umgebenden Architektur ab. Die Bögen veranschaulichen Kräfte, die nach Innen und Außen streben. Frei stehend auf dem leeren Platz eröffnet die Skulptur eine Vielzahl an Sichtachsen und Verbindungen.

Das Denkmal ist eine Skulptur als Reflexionsmodell in einer polymorphen Welt.

Erinnerungskultur in dieser Dimension ist auch immer Teil einer internationalen Erlebniskultur. Insbesondere wenn der Anlass des Gedenkens einen so positiven, emotionalen, weltweiten Sturm ausgelöst hat. Damit kommt der Lesbarkeit des Denkmals auch für Besucher mit unterschiedlichem kulturellem und historischem Hintergrund eine große Bedeutung zu.

Das Denkmal hat kein Zentrum und keinen Mittelpunkt. Die Leichtigkeit der scheinbaren Zufälligkeit in ihrer Anordnung wird zur unlösbaren Aufgabe. Ein Rätsel, das Fragen stellt zu Größe und Zusammenhalt, zu Volumen und ihre Schnittmengen, zum Standort und seiner Umgebung.

Das Denkmal ist keine Darstellung einer äußeren Erscheinung wie ein Muskelspiel von Pferden oder Gesichtszüge einer Denkmalsfigur, sondern zeigt das Bild innerer Zusammenhänge. Es löst das klassische Podest ab. Es geht nicht um die Repräsentation eines historischen Sieges, sondern um die Dialektik von Einheit und Freiheit.

Das Denkmal ist ein Gedankenmodell, ein Gedenk- und Dankmal.

In der Deutschen Geschichte gibt es viele Momente, derer man gedenken kann, aber wenige, für die man danken kann. Gedenken, Denken und Danken, Andenken und Eingedenk sein fallen nach Paul Celan in denselben Bedeutungsbereich. Die Deutsche Einheit hat zu einer Freiheit geführt, für die man historisch dankbar sein kann. Danke.

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