Via Lewandowsky

Vorhang

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 12. Mai 2013

Entwurf für die Cafeteria des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Insel Riems

Ausgangspunkt der Arbeit bildet die Betrachtung eines wissenschaftlichen Modells und seiner Form: die Darstellung des Antikörpers. Diese Entscheidung wird bewußt als positive Alternative zum Modell des Isokaeders, zum Bild des unmittelbaren Forschungsgegenstandes dem Virus gewählt. Als ein wichtiger Bestandteil im System der Immunabwehr wird der Antikörper als allegorisches Bild für den Schutz gegen Infektion und Krankheit gesetzt. Der Virus, der sonst allgegenwärtig ist, soll damit nur indirekt angesprochen werden. Es ist vielmehr Ziel, ein Modell für Erkenntnisprozesse zu entwickeln und das Prinzip von Schutzfunktionen und den damit notwendigerweise verbundenen Strukturen zu reflektieren. Dabei soll die Wahrnehmung einer ästhetischen Qualität von Rastern und Mustern mit einer Vielzahl von Bedeutungen konfrontiert werden. Denn mit der beeindruckenden Schönheit der nano-fotografischen Formenfülle ist die Kunst erst am Anfang ihrer Möglichkeiten.

Die Arbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Einer exemplarischen Isolation mit der Darstellung als solitäres Objekt des Antiköper-Symbols sowie seiner Vervielfältigung als klonaler Antikörper in einer großen Gruppe. Isolation und Vervielfachung beschreiben eine wissenschaftliche Methode in der Forschung. Die Gegenüberstellung auf den rechtwinklig zueinander liegenden Wänden ist auch der Vergleich von Individuum und Masse am Eingang und im großen Raum. Auf beiden Seiten ist das Objekt des einzelnen Antikörpers – als solitär und in der Gruppe – als rot leuchtendes Zeichen dargestellt.

Dabei werden bei dem für die Vervielfachung zugrunde liegendem Muster nicht fünf, sondern vier Antikörper in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet und zusammengesetzt. In der Wiederholung entsteht daraus ein Achteck. Das wiederum ist seit der Antike ein vielgenutzter Grundriß, der auf das Urbild des achtstrahligen Sterns zurück geht und ein Symbol für Vollkommenheit darstellt. In der Architektur ist das Achteck eine gebräuchliche Form für Wehranlagen. Andererseits war diese sich so bildende Ornamentik auch im häuslichen Bereich bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet.

Der so gestaltete Vorhang überzieht als gleichmäßiges Raster 8 Meter der Wand im großen Raum und ist am Ende einer Seite scheinbar zusammengeschoben. An dieser Stelle überlagert sich die Ornamentik zu einer verdichteten Form, bei der der einzelne Antikörper nicht mehr sichtbar ist. Damit wird die Idee des Schutzes und seinen Grenzen im Sinne eines Netzes, Gitters, Zaunes oder Vorhangs unterstrichen.

Der sich durch die konservativ anmutende Ornamentik ergebende Eindruck wird durch die Umsetzung der Materialität als Chrom glänzende Metallkonstruktion gebrochen. Die das Licht reflektierenden weichen Formen der einzelnen Elemente vermitteln den Eindruck eines aus dem Industriedesign entlehnten vergrößerten Rasters. Die Abformung der Elemente ist ähnlich der für das Tiefziehverfahren typischen Erscheinung. Durch seinen geringen Abstand von der Wand entsteht ein zusätzliches Schattenspiel, das die Plastizität und Tiefenwirkung verstärkt. Die Oberlichter, das Tageslicht der großen Fensterfront und die Tageszeit abhängige künstliche Raumbeleuchtung werden die glänzenden Oberflächen des Wandreliefs immer wieder neu inszenieren. Der Minimalismus der Struktur spielt mit einer narrativen Geste zur Architektur des Raumes. So wird ein schmaler Streifen des Fensters oberhalb der Tür verdeckt. Das betont nicht nur die Idee des Vorhanges, sondern verstärkt den Eindruck des Vorhanges des an dieser Stelle auch von hinten sichtbaren Halbreliefs.

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