Via Lewandowsky

Undichte Stelle, 2011

Posted in Arbeiten by vialewando on 6. März 2015

Aus aktuellem Anlaß (BND-Watergate) möchte ich auf einen Wettbewerbsbeitrag von mir aus dem Jahr 2011 verweisen.

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Die Arbeit „Undichte Stelle“ ist eine Skulptur, ein Denkmal, ein Ort der Besinnung, ein Wasserspiel, ein interaktiver Raum, eine audiovisuelle Anlage, eine Überlegung.

Die Arbeit bezieht sich auf die geordneten Raumstrukturen des Innenhofes, auf die Funktion des Ortes als Pausenhof und auf die Thematik der gesamten Anlage des BND.

Die Skulptur ist ein Knäul aus Rohrleitungen, dass von einer mannshohen Zu- und Ableitung getragen wird. Die Rohre sind etwa 5 cm dick und aus gebürstetem Bronzerohr. Sie ragen aus dem Boden wie ein repariertes Stück des sonst unsichtbaren unterirdischen Rohrleitungssystems. Die „reparierte Stelle“ hat jedoch mehr die Anmutung von Gehirnwindungen. Durch ihre nur leicht überhöhte Größe einer menschlichen Person hat sie auch eine figurative Präsenz.

Im Ensemble des Innenhofes zeichnet sie sich eher durch Unauffälligkeit und Selbstverständlichkeit aus. Da die Skulptur nicht durch ihre räumliche Ausprägung den Raum bestimmt und gestaltet, kommen ihr die Qualitäten einer zeichenhaften, den Ort markierenden Erscheinung zu. Als verdichtete Unordnung, als Rätsel eines sich selbst umschlingenden, sich windenden und verdrehten, scheinbar nicht zu entwirrenden Weges hat die Rohrleitung eine hohe gestalterische Ästhetik. Ihre zerebrale Anmutung ist dabei nur eine weitere allegorische Ebene. Damit lädt sie zum Betrachten und Verweilen, zum Sinnieren und Meditieren ein.

Zum Brunnen, zum Wasserspiel wird die Skulptur, wenn Menschen den Innenhof betreten und durch Schritte oder Unterhaltung eine Raumklang erzeugen. Dann öffnen sich unterschiedliche Ventile, die in der Skulptur versteckt sind und lassen Wasser wie aus einer undichten Leitung tropfen, rinnen oder spritzen. Je nach Intensität der Akustik im Innenhof verstärken sich die leckenden Rohrabschnitte und werden zum spontanen Wasserspiel. Unbeachtet und einsam ist nur ein leichtes Tropfen an einer Stelle zu beobachten.

Die Verbindung von akustischer Sensorik und dem Sprudeln aus dem lecken Leitungsgewirr wird zur spielerischen Auseinandersetzung aktueller Themen, an deren Ende die Neuauflage eines barocken Wasserspieles steht. Damit wird der Innenhof stärker an die Idee einer Parkanlage gebunden und reflektiert gleichermaßen die Bedeutung moderner urbaner Parklandschaften.

Abhängig von der Jahreszeit und den Außentemperaturen wird das Wasser, das durch die Leitungen fließt, aufgeheizt. Das Bild der Rohrleitungen verändert sich bei niedrigen Temperaturen durch das Aufsteigen von Wasserdampf. Sie könnten jetzt zu einem Teil eines Heizkreislaufes gehören. Dadurch ist auch eine Wahrnehmung der Aktivität aus größerer Distanz möglich.

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