Via Lewandowsky

Angelehnt, 2015

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 15. Mai 2015

Wettbewerbsbeitrag für den Neubau des materialwissenschaftlichen Zentrums für Energiesysteme auf dem KIT Campus Süd, Karlsruhe

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Das Bild wird von einem Baumstamm bestimmt, der sich in seiner materiellen Erscheinungsform gewandelt hat. Im Sinne der klassischen Naturnachahmung wird ein entasteter Kiefernstamm zur Porzellanpretiose. Elegant und fast wie zufällig lehnt der zwölf Meter hohe Stamm am Innenrand einer der Deckenöffnungen des Vordaches. Ein leichtes Spiel mit Kreis und Stecken in monumentaler Form. Ein lebensgroßes Modell eines Kiefernstammes, die Skulptur als Hinweis auf Energie, Ressourcen, der Baum als archaischer Baustoff, als ältester Energieträger der Menschheit. Durch seine das Dach überragende Höhe verbindet der Baumstamm aus Porzellan Innen- mit Außenraum, organische Form mit Geometrie, raue und matte mit glänzenden Oberflächen.

Der keramische Baumstamm weist auf ein Material hin, das einerseits für ästhetisch wertvolle Gebrauchsgegenstände steht und dem andererseits in der technischen Entwicklung der Vergangenheit und Zukunft eine große Bedeutung zukommt. Ähnlich wie das Bild des Baumes als ein fast stereotypischer Ausdruck für Leben ist Keramik ein alter Weggefährte des Menschen. Die Bedeutung des Baumes hat im Laufe der Zivilisation zu seiner umweltverändernden Dezimierung geführt. Die Spur der Keramik führt von Tonscherben aus der Frühzeit bis hin zu den Hitzeschutzkacheln an Raumfahrzeugen. Im alltäglichen industriellen Einsatz findet sich Keramik und Porzellan vor allem in den verschiedensten Energieübertragungssystemen wieder. Daher ist dieses universelle Material in einem hohen Maße auch Speicher der zivilisatorischen Leistung der Menschen.

Das Bild des Porzellanbaumstammes unter dem Vordach des Eingangsbereiches zum Institut ist eine Auseinandersetzung mit dem Ort, mit der Architektur, mit der Situation. Während ein Besucher aus der Ferne seine Aufmerksamkeit auf den aus dem Dach ragenden Teil des Baumstamms lenken wird, tritt unter dem Vordach die leicht gekippte „Säule“ in einen spannungsvollen Dialog mit den vier Stützsäulen, die sich im Umfang kaum unterscheiden. Der statischen Zuweisung der unverrückbaren Stützsäulen wird die Leichtigkeit und scheinbare Mobilität des angelehnten Baumstamms kontrastierend gegenübergestellt. Seine Oberfläche ist glatt und glänzend und verführt dazu, berührt zu werden.

Für die Skulptur wird ein Baumstamm aus der Region Schwarzwald ausgesucht und abgegossen. Das Abgießen ist ein rein bildhauerischer Vorgang ohne Hinzunahme digitaler Abbildungsverfahren. Die Abgussform dient zur Herstellung von halbschalenförmigen Porzellanfliesen, die an einer Grundkonstruktion, die aus einer Edelstahlsäule besteht, angebracht werden. Die Fließen bilden ein feines, unregelmäßiges und nur aus der Nähe sichtbares Raster.  Ziel ist es, für die Fertigung der Fliesen eine Porzellanmanufaktur oder einen Industriekeramikproduzenten als Partner zu gewinnen, der über ein hohes Maß an Erfahrungen bei der Keramikherstellung für den Außeneinsatz verfügt. So lehnt sich die Skulptur nicht nur an der Architektur an, sondern auch an moderne Produktionstechniken, um dabei der Natur nah zu kommen.

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