Via Lewandowsky

Das Ding, 2016

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 19. Juli 2016

Wettbewerbsbeitrag für das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter

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Strahlung

Strahlung ist überall. Man kann ihr nicht ausweichen. Obgleich die Hauptaufgabe und der damit begründete zentrale Standort des Bundesamtes in der Bewältigung der Atommüllentsorgung recht eindeutig zu sein scheint, macht das universelle Vorhandensein von Strahlung in allen Lebensbereichen die Idee des Schutzes vor Strahlung zu einer komplexen Angelegenheit. Es besteht zwar weitestgehend Einigkeit über die Gefährlichkeit bestimmter Strahlungsarten. Damit trägt die Bundesbehörde die Verantwortung zur Vermeidung von Schäden durch einen unsichtbaren Feind, aber sie hat auch die Verantwortung, Regularien für Strahlung zu finden, die sich bei ihrer Nutzung positiv auswirken. Strahlung dient genauso zur Zerstörung kranker Zellen, wie zur Stärkung des Immunsystems. Oft entscheidet die Dosis, ob die Strahlung schädlich ist oder nicht. Einerseits ist Strahlung nicht greifbar und unsichtbar, andererseits messbar und kontrollierbar. Diese scheinbaren paradoxen Wirkmechanismen und der Umstand der Unsichtbarkeit lässt dem Thema Strahlung viel Raum für Spekulation und Verschwörungstheorien. Auch hier ist das Bundesamt ein staatliches Regulativ.

Zierkürbis

Der Zierkürbis nimmt mit seiner bizarren und naturgewollt komischen Form in ironischerweise Art und Weise Bezug auf die Sorgen und Spekulationen der Bürger. Zugleich ist er Mahnmal einer schützenswerten Natur. Eine weltweit genutzte Kulturpflanze, die wohl im Gegensatz zum Menschen am wenigsten durch den Einfluss schädlicher Strahlenbelastung gefährdet wäre, wie auch die Natur insgesamt. So erinnert der Zierkürbis daran, dass es letztlich ganz einfach um den Fortbestand organischen Lebens geht. Er versinnbildlicht in mehrfacher Hinsicht das Schützenswerte. Ein frecher kleiner Klops, der das Fremde, das Unheimliche, das natürlich Unnatürliche, das Besondere, Normale und Banale, das Abnormale und das Exotische darstellt. Der Zierkürbis ist selbst schon eine Art naturgemachtes Kunstwerk. Er ist nicht nur das Ergebnis einer alten Gartenkultur und repräsentiert eine Erscheinungsform unzähliger Spielarten der Natur, sondern auch ein ritueller Begleiter durch die Jahreszeiten und damit Bildträger für die Bedeutung des Wechselspiels von Kultur und Natur.

Zur Zierde

Kunst will hier im direktesten Sinne Zierde sein. Der Zierkürbis trägt die Aufgabe bereits im Namen. Die Skulptur übersetzt die Besonderheit eines landwirtschaftlichen Produktes in ein nachhaltiges Bild aus Metall. Der silberne Aluminiumdruckguß versinnbildlicht das Schützenwerte, steht aber auch für Vielfalt und die damit verbundenen unterschiedlichen Erscheinungsformen. Die Skulptur ist rätselhaft und fragt nach den Zusammenhängen. Das Abwegigste wird plötzlich zum Naheliegendsten. Was die Bundesbehörde mit ihrer Arbeit auslöst, ergänzt die Skulptur: Fragen, auf die es verschiedene Antworten gibt, Diskussionen um Ursachen, für die es unterschiedliche Gründe gibt. Künstlichkeit ist kein Privileg der Kunst, so wie Strahlung kein Privileg der Wissenschaft ist.
Kunst legt hier nahe, daß Wissen allein oft nicht der einzige Weg ist, um die Aufgaben, die Sorgen und die Spekulationen um die Sicherheit vor Strahlung kompetent zu bewältigen. Vor dem Hintergrund manchmal nicht exakt bestimmbarer kausaler Zusammenhänge erzeugt der Zierkürbis ein Moment der Irritation, der Verwunderung und der Heiterkeit. Ein Wesen aus einer anderen Realität

Ort und Ausführung

Aus dem Raster der neun Bäume auf dem Vorplatz wird ein Baum entfernt. An dieser freien Stelle liegt die silbern glänzende Skulptur des Zierkürbis. Er ist mannshoch. Seine Oberfläche ist mattiertes bis glänzendes Aluminium. Sein Stiel verschwindet im Platz an der Stelle, wo vormals der Baum stand. Der Zierkürbis scheint blattlos aus dem Boden gewachsen zu sein. Seine Anmutung bleibt trotz der realistischen Vergrößerung eines originalen Zierkürbis kühl und künstlich, was durch die metallene Oberfläche verstärkt wird. Eine seltsame, amorphe Preziose, die an heiteren Tagen mit dem Sonnenlicht spielt.

Optional ist es auch denkbar, die Skulptur an anderer Stelle in den Boden zu pflanzen. Mit reduzierter repräsentativer Kraft, aber nicht weniger zur Freude des Betrachters könnte der Zierkürbis „Das Ding“ auch in einem der Innenhöfe des Neubaus erscheinen.

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