Via Lewandowsky

Quäntchen Ich oder Maßstab und Dimension (Mensch: Ärgere Dich nicht!), 2018

Posted in Alles, Arbeiten, Kunst-am-Bau by vialewando on 2. Februar 2018

Sheldon Cooper: „Hast du dich manchmal gefragt, wie die Menschen wären, wenn sie sich aus Reptilien statt aus Säugetieren entwickelt hätten? … Wie du weißt, sind Reptilien kaltblütige Lebewesen, ihnen fehlt die Fähigkeit, Temperatur zu fühlen. Aber sie bewegen sich schwerfälliger, wenn es kalt ist. Also würde der Echsen-Wettermann so etwas in der Art sagen wie: Zieht eine Jacke an, draußen ist es langsam.“ (Prolog aus „The Big Bang Theory“, Staffel 5)

Die Wissenschaft hatte es bisher immer geschafft, anschauliche Modelle für ihre manchmal schwer zu fassenden Erkenntnisse zu entwickeln. Doch nach Schrödingers Katze wurde es ruhig um populäre Wissenschaftsmodelle, wenn es um die Reisen in andere Dimensionen ging. Im Gegenteil: 32 Jahre nach Schrödinger baut man ein Atomium auf der Weltausstellung in Brüssel. Was die Wissenschaft denkt, führt oft lange Zeit ein nachweisloses Dasein und erst recht schwer zu visualisierendes. Zunehmend wird auch der wissenschaftliche Nachweis zum abstrakten Bild ohne Referenz zum Vertrauten. Die Lust an Erklärungsmodellen auch für das Unfaßbare bleibt dennoch erhalten. Auf dem Weg in die Weiten des Universums sowie in den subatomaren Kosmos bleiben Zahlen oft unsere letzten Vertrauten. Denn auch ein noch so elegantes Zeichen wie das der Zeta-Funktion kann den Unkundigen nicht davor bewahren, noch tiefer in die Nacht des Unvorstellbaren zu versinken. Sind sich die Wissenschaftler überhaupt im Klaren darüber, in was für schwindelerregenden Dimensionen für den Außenstehenden sie völlig selbstverständlich unterwegs sind, wenn sie mit den Zehnerpotenzen spielen? An was hält man sich noch fest, wenn sich alles aufzulösen scheint, wenn alles Vertraute, alle mühsam gelernten Gesetzmäßigkeiten keine Hilfe mehr bei der Orientierung sind?

Die Arbeit „Quäntchen Ich oder Maßstab und Dimension (Mensch: Ärgere dich nicht!)“ ist ein Gedankenmodell, daß der Frage nachgeht, wie klein ist wie weit und dabei zwei Ziele verfolgt: einmal durch die Größenumkehrung der Pikostrukturen einen Einblick in die Dimension der Forschungsrealität zu konstruieren und zum anderen dem wissenschaftlichen objektiven Modellen ein künstlerisches, auf Intuition und subjektive Interpretation bauendes Modell gegenüber zu stellen. Denn das Vergrößern der Verkleinerung bewirkt eine bessere Orientierung, obwohl auch diese Umkehrung an die Grenzen ihrer Vorstellbarkeit stößt. Zumindest stellt sich bei Vergrößerungen durch die Multiplikation mit einem bekannten Maßstab das Gefühl ein, zu wissen, was es zum Beispiel heißt, drei Sonnensysteme groß zu sein. In den Engen der Nano-, Piko- und Femtometeruniversen dagegen ist alles fremd, weil es außer dem Minus vor der Zehnerpotenz keine vertrauten Bilder und Analogien mehr zu unserer Welt gibt.

Das Modell zur Veranschaulichung ist ein aus 5 Mensch-Ärgere-Dich-nicht-Figuren bestehender, einem Molekül- oder Atommodell ähnelnder Haufen. Dieses Spielfiguren-Cluster, im folgenden auch Ludo-Cluster (von der Bezeichnung des zu Grunde liegenden Spiels abgeleitet) genannt, gibt es einmal in seiner Originalgröße als zweidimensionale Schablone in einer Stele an der Grundstückgrenze und einmal als überlebensgroße, 3 m hohe Skulptur 13 m von der Stele entfernt vor dem Eingang zum Gebäude.

Der Blick in die Welt der subatomaren Teilchen wird jetzt durch einen Größenvergleich ermöglicht, bei dem der Betrachter, um 10 Billionen Einheiten verkleinert, sich in einem quantenmechanischen Zustand befindend aus der subatomaren Welt herausschauen kann. Hier sind zwar die Protonen immer noch so klein wie Schneeflocken, aber es ginge noch kleiner. Denkt man sich nun die reale Welt um diesen Faktor vergrößert, denn Platz hat man ja im Universum, kann man jetzt die Skulptur gedanklich in den Weiten des Weltraumes abstellen.
Anhand der Schablone und der auf dem Rasen liegenden Skulptur, die man wie beim Daumensprung auf Größe und Entfernung schätzen kann, wird nun demonstriert, wie weit weg und wie groß die Skulptur in der „wirklichen Welt“ dann wäre, und wo die Skulptur dann stehen würde.
Dabei fungiert die Stele als Tür mit einem Quasi-Schlüsselloch, durch das wir um 1,8 mal 10⁻¹³ Meter verkleinert aus unserer Zehnbillionstel-Welt schauen. In dieser Welt wäre eine Figur des Ludo-Clusters 1,8 mal 10¹⁰ Kilometer hoch. Um sie dann auch noch durch das Schlüsselloch in Gänze sehen zu können, müßte sie 1,94 mal 10¹² km entfernt sein. Das sind 0,2 Lichtjahre oder 13.000 AE (Astronomische Einheiten, die Entfernung Erde–Sonne). Die gewaltige Größe entspricht etwa 300 Ausdehnungen unseres Sonnensystems.

Die Skulptur mit den fünf vergrößerten Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielfiguren ist aber nicht nur ein Platzhalter für die gedankliche Vergrößerung zur Veranschaulichung der Verkleinerung, sondern ist auch ein fröhlicher Kommentar auf die Mühen der Erkenntnisgewinnung. Die Anlehnung an ein physikalisches Modell ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit bekannten molekularen Strukturen oder Atommodellen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

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