Via Lewandowsky

Das Quadrat

Posted in Alles by vialewando on 25. Juni 2018

Wettbewerbsbeitrag Bauhaus Museum Weimar

Wenn man als Besucher das Foyer des Museums zum ersten Mal betritt, werden die Blicke unwillkürlich auf einen von der Decke hängenden chromglänzenden geometrischen Gegenstand gelenkt. Zuerst wird man vielleicht den sehr minimalistischen und konstruktivistischen Gegenstand für ein Objekt aus der Sammlung des Museums halten. Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, daß die langsamen Bewegungen, in denen sich die geometrischen Formen immer wieder neu auf- und abbauen, auch in einem anderen Zusammenhang stehen könnten.

Die Variabilität der Formen wird immer wieder auf ein Quadrat zurückgeführt, das genau einen Quadratmeter umfasst. Dieser universelle Grundbaustein der Geometrie und Architektur ermöglicht durch seine Verwendung als bewegliche Skulptur hochkomplexe Formen. Darin drückt sich einerseits der Geist des Bauhaus aus, Komplexität auf einfache geometrische Formen zurückzuführen, aber auch die Gefahr, das Quadrat als eine archaische Form und ein archaisches Zeichen für ideologische Machtdemonstrationen zu mißbrauchen.

LINIEN
Der Standpunkt des Betrachters spielt keine unwesentliche Rolle, denn, auf die Fläche reduziert, ist fast jede geometrische Komposition aus geraden Linien vorstellbar. Das Quadrat hält inne und beginnt wieder von Neuem, sehr langsam, der Geschwindigkeit eines Sekundenzeigers ähnlich, einer Choreographie folgend, Winkel und Zeichen, Linien und Ecken gestikulierend in die Luft zu zeichnen. Gäbe es eine Schreibmaschine für Architekturzeichnungen, wäre das der Kugelkopf. Das Quadrat spiegelt an dieser Stelle die Sprache der Architektur wieder, zeigt aber auch die Möglichkeit, wie durch die simple Hinzunahme von Achsen die Form des Quadrates in einen komplexen Ausdruck verwandelt wird.

Aber auch die einzelnen Formen sind nicht nur beliebige Winkel und Zeichen, sie könnten Teile von Ornamenten sein, einfache Schriftzeichen und abstrakte Raumgebilde simulieren.

VOLUMEN
Die Bahnen, die die Schenkel durch ihre Bewegungen zeichnen, ergeben auf einer Achse eine zylindrische Form, auf allen Achsen eine Mischung aus Kugel und Kubus. Könnte man alle Bahnen als Form sehen, ergäbe sich ein Kubus ohne Ecken, einem Spielwürfel vergleichbar. Durch den Rotationskörper entsteht eine Kugel, die in einem Kubus steckt. Das Gedankenmodell der nicht sichtbaren Form ist ein Verweis auf das Zusammenspiel von Natur und Abstraktion, von statisch und mobil, von einfach und komplex.

WESEN
Das Quadrat wird über die im rechten Winkel angebrachten drei senkrechten und zwei waagerechten Achsen, die von Motoren angetrieben werden, in eine Vielzahl unterschiedlicher „Posen“ und somit Kompositionen gebracht. Die abstrakte, technische Erscheinung erfährt durch seine Animation, durch die einerseits zufällig und andererseits genau definierten Parameter Geschwindigkeit, Einstellwinkel und Ruhezeiten eine Verlebendigung und Wesenhaftigkeit. Dann meint man, einem mechanischen Ausdruckstanz in Zeitlupe beizuwohnen. Natur wird so als geometrische Erfahrung sichtbar und umgekehrt.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: