Via Lewandowsky

Im Verhältnis, 2017

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 16. November 2017

Wettbewerbsbeitrag Kunst-am-Bau für den Neubau des Justizzentrums Bochum

In der deutschen Rechtsprechung kommt drei Begriffen eine besondere Bedeutung zu: geeignet, erforderlich und angemessen. Sie sind Ausdruck eines Rechtssystems, das die Grundrechte des Menschen im Strafrecht, im Zivilrecht und im öffentlichen Recht zur Bedingung allen juristischen Handelns erklärt. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip wägt das richtige Maß für den Ausgleich zwischen den Zielen und den eingesetzten Mitteln ab. Die Folge ist die fragile Balance zwischen juristischer Nüchternheit und emotionaler Zustände. Jede noch so unbedeutende Aussage, jedes noch so unscheinbare Detail kann zu schicksalhaften Konsequenzen führen. Am Ende gibt es Gerechtigkeit im Sinne der Rechtsordnung, aber möglicherweise nicht für die Betroffenen. Die Anwendung der Gesetze im Sinne der Verhältnismäßigkeit und der Gerechtigkeit ist ein fortwährender Kraftakt, der sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen muß.

Die Arbeit „Im Verhältnis“ installiert das Bild einer Balance. Weit in das Atrium hinein reicht ein solider Balken, der an einem Ende mittels eines Pfostens scheinbar gegen die Decke der umlaufenden Galerie in der zweiten Etage gedrückt und so in seiner Position gehalten wird. Auf dieser Konstruktion steht am freien Ende des Balkens ein Gefäß. Pfosten und Balken sind in dem gleichen roten Farbton. Der Pfosten steht leicht schief eingeklemmt, als würde es sich um eine temporäre Maßnahme handeln. Das Gefäß, eine glänzende, durchscheinende Vase schwebt über der Mitte des Atriums in 13 m Höhe. Mitten im Raum steht das Objekt einerseits sehr exponiert, andererseits auch etwas deplatziert. Der massive Balken gibt scheinbar unter dem Gewicht der leichten Vase nach. So zeigt sich ein humorvolles Bild zur Wirkung des Hebelarmes und der Kräfte, die zur Erhaltung der Balance notwendig sind.

Bedingt durch die leicht gebogene Form des elastisch anmutenden Balkens steht das Gefäß nicht ganz gerade und scheint dadurch selbst zu balancieren. Der Betrachter kann die bedenkliche Position der zerbrechlichen Vase sehr gut antizipieren. Der Verlorenheit des Gefäßes steht jedoch der benötigte Aufwand ihrer Anwesenheit an diesem Ort entgegen. Der Boden, die Decke des Gebäudes werden so zum Gegengewicht. Die Vase wird dabei zum Ausdruck sehr gegensätzlicher Zustände: exponiert in der Öffentlichkeit und trotzdem entrückt zu sein, leicht und doch nur durch massive Unterstützung getragen werden zu können.

Für die Architektur des Raumes bedeutet dieser Balanceakt, die Dimensionen des Atriums mit einer temporär erscheinenden Konstruktion in ein Verhältnis zu setzen. Die Leichtigkeit der Installation des im Raum schwebenden Balkens und die darauf balancierende Vase kontrastieren Fragilität, Spontanität, Beweglichkeit mit der klaren Ordnung eines gewaltigen Innenraumes. Wie zwei Extreme stehen sie im Verhältnis zueinander und zeigen von jeder Position des Raumes aus eine neue Variante ihres Spieles mit Offenheit und Geschlossenheit, mit Begeh- und Nichtbegehbarkeit, mit Funktionalität und artistischem Eigensinn, mit Vertrautheit und Fremdheit, mit Schutz und Freiheit, mit Flexibilität und Gewißheit.

Der Balken mit den Maßen von 15 cm Dicke, 50 cm Breite und
14 m Länge ragt leicht schräg etwa 7 m in den Luftraum des Atriums. Nur über 2,50 m berührt der Balken die Decke, bevor er sich scheinbar von der Decke löst und auf dem Stützpfosten ruht. Der Balken wird aus GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) mit einer statischen Wabenstruktur im Innern sein. Die Lackierung ist matt und in dem roten Farbton der Deutschen Gesetzessammlungen.

Advertisements

Das Tor, 2017

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 6. November 2017

Wettbewerbsbeitrag, Kunst am Bau, Neubau Bundeswehrfachschule, Karlsruhe

„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigant­ische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen …“

Die künstlerische, stilisierte Überhöhung von dramatischen unvorstellbaren Erlebnissen im Film „Blade Runner“ trifft oft auch auf Soldaten zu, die heimkehren. Das Erlebte hat Dimensionen, die die Kraft haben, das Leben und Denken des zivilen Alltages in den Schatten zu stellen. Dennoch werden sie alle diesen Schritt von der einen in die andere Welt tun.

Die Arbeit DAS TOR benutzt zwei Bilder um diesen Übergang zu visualisieren: Das Rechenkästchen, ein kariertes Blatt und die Raumkrümmung, das Wurmloch. Eins steht für die Rückkehr zur Schule und die damit verbundenen Mühen des Lernens und das andere steht für eine von den populären Wissenschaften bis hin zum Science Fiction bekannte, aus der allgemeinen Relativitätstheorie stammende quantenphysikalische These einer möglichen Raum-Zeit-Verbindung zwischen zwei Orten. Zwei Extreme im Denken der Menschen. Beide bedingen sich. Das Rechnen als elementare Grundlage des Denkens und der Kosmos unseres Wissens.

DAS TOR ist die grafische Darstellung quadratischer Kästchen wie man sie von Schulheften, aber auch von den uns ständig umgebenden Rastern der Fugen, Zäune, Netze, Gitter und der architektonischen Strukturen kennt und wie sie uns täglich begegnen. Die Rechenkästchen begin- nen am Rand. Von da aus bis zur Mittellinie der Schiebetür beginnen sie sich sehr schnell und sehr stark zu wölben. Die Gitterlinien neigen sich so weit zueinander, daß sie sich in der Mitte scheinbar leicht berühren. Dabei bilden sie einen Horizont, eine endlos anmutende Tiefe.

Der Eingang zum Gebäude wird mit diesem Bild zu einer symbolischen Pforte. Das Bild wird zum Zeichen im Sinne einer Torgestaltung und verstärkt außerdem die Sogwirkung des Einganges. Dabei werden die ornamentalen Strukturen zu einer schematische Darstellung, die als Raumkrümmung lesbar ist. Diese Art der auf Text verzichtenden Beschriftung eines Einganges spielt mit ihrer zurückhaltenden und unauffälligen Erscheinung.

Das grafische Bild auf der Scheibe wird durch spiegelnde Linien erzeugt. Damit passen sich die Linien immer wieder aufs Neue den jeweiligen Lichtverhältnissen und Blickrichtungen an. Das Bild entsteht also nur durch das vor oder hinter dem Eingang befindliche und dementsprechend gespiegelte Geschehen. Von Innen wird es tagsüber als Schattenriß grafisch deutlich erkennbar, während nach Sonnenuntergang sich dieses Bild umkehrt. Das Bild im Bild, das Bild als Abbildung der Umgebung, das Bild als sich ständig veränderte Erscheinung und ihre damit einhergehende unterschiedliche Wahrnehmung ist der Verweis auf die Vielfältigkeit des Lernens, unserer Wahrnehmungen und Vorstellungen und der damit verbundenen Erkenntnisse.

 

DASTOR_einfachDASTOR_invert

DASTOR_zu

Quäntchen Glück, 2017

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 6. November 2017

Wettbewerbsbeitrag Kunst am Bau – Neubau Zentrum für Quanten – u. Biowissenschaften, Universität Ulm

Ähnlich wie im James Bond Film „Diamonds are forever“ (beim Einsatz zum Bau von Laser-Satelliten) ist der Diamant im Zentrum für Quanten- und Biowissenschaften, Ulm das zentrale Element. Während im Bond-Film die Diamanten für eine Laserwaffe gebraucht werden, sind sie im Institut Teil eines technisch-wissenschaftlichen Instrumentarium bei der Forschung. Gemeinsamkeiten im Film und dem wissenschaftlichen Arbeiten ist, dass der Diamant entgegen seiner Verwendung als wertvolles Schmuckstück unsichtbar bleibt. Das Vorhandensein des Diamanten ist hier nur durch seine Wirkungsweise innerhalb wissenschaftlicher Prozesse nachweisbar.

Dass der Diamant nicht nur als Schmuckstück, sondern auch als Arbeitsmaterial genutzt wird, zeigt neben Diamantschneidewerkzeugen zum Fliesen schneiden und anderen Gebrauchsgegenständen, die Nutzung des Diamanten in der Forschung am Institut für Quanten-und Biowissenschaften in Ulm. Die Nutzung der besonderen Lichteigenschaften in der Quantenwissenschaft im Gegensatz zu seiner extremen Härte führt den Stein zu seinem ursprünglichen Wert zurück.

Die Prinzipien der Quantenphysik sind dadurch bekannt, dass damit Zeit- und Raumzusammenhänge untersucht werden und daraus wissenschaftliche Ergebnisse resultieren, die unserer Anschauung und Alltagserfahrung widersprechen. Isoliert man Zustände eines Systems von seiner Umgebung, können sie als Einzelzustände zerlegt, überlagert wieder einen möglichen und stabilen Zustand des zuvor differenzierten Systems ergeben. Wie am Beispiel Schrödingers Katze wird damit ein paradoxer Zustand wahrscheinlich, bei dem die Katze gleichzeitig „tot“ und „lebendig“ ist. Das äquivalente philosophische Gleichnis wäre Buridans Esel. Auch hier führt die eine wahrscheinliche Situation theoretisch zu einer anderen unwahrscheinlichen.

Die Arbeit Quäntchen Glück nutzt das geplante Fugenraster im Foyer des Erdgeschosses. Dabei werden die Fliesen in ihrer Größe halbiert und eine etwa zehn Millimeter breite Fuge eingeführt. Dieses Fugenbild zieht sich über die gesamte Fläche des mit Betonwerkstein ausgelegten Foyers. An einer zentralen Stelle möglicher Wege durch die Nutzer des Gebäudes wird ein imaginärer Punkt gesetzt. Zu diesem Punkt laufen die Linien im Radius von zwei Metern dicht zueinander. Während die Fliesen im Zentrum kleiner werden, sind sie am Außenrand größer bei gleichbleibender Fugenbreite.

Aus bestimmten Blickwinkeln stellt sich dieser aus etwa fünfhundert speziell geschnittenen Betonwerksteinen Boden als Ornament, als Wellenlinien oder als optische Illusion dar. Die optische Illusion scheint den Raum zu deformieren, als ob der Boden dort nicht gerade ist, sondern eine Delle hätte. Vier Steine bilden das unmittelbare symmetrische Zentrum, ein Stein davon ist als schwarzglänzender Edelstein ausgeführt.

Die Wirkkraft liegt im Zentrum mit einer optischen Täuschung, die aber einen Erkenntnisgewinn in sich trägt. Dieser zeigt uns, dass das was wir sehen, nicht unbedingt das ist, was es ist oder sein kann. Die Katze ist wahrscheinlich in zwei Zuständen gleichzeitig.

Es geht in dieser Arbeit darum zu zeigen, dass mit wenigen Mitteln, das mit lediglich der Änderung des Fugenbildes, eine scheinbare Umwandlung des Raumes zu erreichen ist. Eine Gravitationskraft, die scheinbar auf den Boden wirkt, und ihn scheinbar nach unten zieht. In diesem vermeintlichen Loch ist ein schwarzer Stein, der einen Verweis auf einen besonderen Stein, den (schwarzen) Diamanten gibt.

 

Anhaften am Das, 2017

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 8. September 2017

Gründe, die zur Aufgabe einer Suche führen, folgen nicht immer einer rational nachvollziehbaren Argumentation. Die Verknüpfung von Mißgeschick und nicht mehr ganz einfach rekonstruierbaren Ereignisketten beenden dann zum Beispiel das Vorhaben weiterzugraben, weiterzutauchen, weiterzulesen, weiterzusuchen. Im Zeitalter der Hochtechnologie und der ungebremsten Wahrheitsfindung, dem Bezwingen der letzten Regionen Terra incognita, der ständigen Wortmeldungen zu ehemals ehernen Geheimnissen ist das zwar eine seltene und unvorstellbare Angelegenheit, aber es kann vorkommen.

Die Konstruktion einer gescheiterten Suche ist die Konstruktion einer Sehnsucht nach Unerklärbarkeit oder auch Undenkbarkeit. Das Undenkbare als poetischer Ort trifft auf eine durch und durch bekannten und eindeutigen Raum.

Auf dem Acker der Veranstaltung steht ein einsames Rohr, daran hängt ein Baggerarm mit Baggerschaufel. Die losen Enden der Hydraulikschläuche lassen vermuten, daß der Arm unter größter Gewalteinwirkung vom Bagger abgerissen worden ist.

2017anhaften.jpg

Stoff aus Licht (oder Politik der Pause), 2017

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 8. September 2017

Wettbewerbsbeitrag für die neue Cafeteria der Verwaltung, Deutscher Bundestag

Der Vorhang zieht sich durch die Kunst- und Kulturgeschichte der Menschheit wie ein roter Faden. Von den antiken Darstellungen bis zu aktuellen Ausstellungen wird der Vorhang in der Kunst immer wieder neu bearbeitet, inszeniert und interpretiert. Er ist elegante Verhüllung oder wertvoller Rahmen, er erhöht die Bedeutung und den Wert eines Gegenstandes oder Ortes, er ist die flexibelste und effizienteste Trennung zwischen Räumen, zwischen Innen und Außen, zwischen dem Davor und dem Dahinter. Vorhänge sind mobile Skulpturen, bei denen der Rhythmus des Faltenwurfs immer wieder neu mit Licht und Schatten spielt.

Stoff aus Licht: Zwei Vorhänge stehen in einem gegensätzlichen Verhältnis. Ein Vorhang erscheint als fotografisches Motiv in der Scheibe der Fensterfront. Glas wird zu Stoff. Ein Stoffvorhang entlang der Wände des Mittelblocks ist mit dem Bild eines von einer Ornament-Glasscheibe verdeckten Vorhanges bedruckt. Stoff wird zu Glas. 

Politik der Pause wird in der Pause der Politik gemacht. In diesem Sinne gibt es keine Pause. Die Politik sieht sich zunehmend auf einer Bühne, auf der nie der Vorhang fällt. In der neuen Cafeteria der Verwaltung des Bundestages wird das anders. Auf der Bühne befindet sich hier der Vorhang selbst. Inszeniert als gläserne Verhüllung, scheinbar als Glas und scheinbar als Stoff. Die Dinge sind eben nie wie sie scheinen. Zerbrechlich ist der eine, unzerbrechlich der andere. Beide spielen mit dem Licht, bildhaft und wirklich.

Es liegt nahe, an einem Ort, an dem es einst Theater und bürgerliche Wohnungen gab, an dem es wieder um Repräsentation und Offenheit, wie auch um Abgeschirmtheit und Sicherheit geht, das Thema des Vorhangs aufzugreifen. Einerseits geht es dabei konkret um den Erhalt der Transparenz der Fensterfront, Licht von draußen hereinzulassen und andererseits um einem Ort Intimität und Ruhe zu gewähren. Durch das Thema des Vorhanges wird die Frage des Sichtschutzes genauso berührt wie die Frage nach einer bestimmten Atmosphäre im Raum.

Die farbig reflektierende Oberfläche des Glases spiegelt in den unbearbeiteten Flächen den jeweils gegenüberliegenden Raum. Die fotorealistische Übertragung erzeugt ein Vorhang-Tromp-l’œil, das sich je nach Blickrichtung farblich verändert. Das Zusammenspiel von Spiegelung, Reflexion und graviertem Bild des Vorhanges verdeckt immer wieder anders Innen- und Außenraum. Zu unterschiedlichen Tageszeiten und den damit verbundenen veränderten Lichtsituationen verändert sich das Bild auf beiden Seiten der Glasfront.

Die Gestaltung der Möblierung schließt sich dem zurückhaltendem durch den Vorhang bestimmten Ambiente an. Im Sinne einer politischen Geschichte, die sich auch durch Design in ihrer jeweiligen Epoche äußert, werden unterschiedliche Sitzgruppen, Tische, Stühle  und Lampen kombiniert. Ihre zeitgeschichtlichen Referenzen sind eindeutig und beziehen sich auf konkrete Orte und historische Momente. Sie spielen aber auch mit den Begriffen „Runder Tisch“, „Stammtisch“, „Grüner Tisch“ oder „Lange Bank“.

 

0_end01

fassade1 - Arbeitskopie 2

gruenervorhang_streifen - Arbeitskopie 2

 

Fahrbereitschaft, 2017

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 8. September 2017

Wettbewerbsbeitrag „Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge“  

Zentrale Idee von Fahrbereitschaft ist die Umkehrung eines Kunst-am-Bau-Projektes an einem bestimmten Standort.

Statt Kunst-am-Bau in oder an den modularen Unterkünften zu installieren werden die Bewohner der Unterkünfte zu Orten mit Kunst-am-Bau in Berlin gefahren.

Kunst am Bau verläßt die Rolle als erhabener Überbringer einer künstlerischen Geste, als Zeichensetzer eines letzten künstlerischen Wohlklangs in einem architektonischen Kontext und begibt sich auf den Weg, setzt sich den Mühen der Vermittlung selbst aus und wird somit zum dynamischen Botschafter seines Wesens.

Ziel ist es, den Menschen auf der Flucht die Bedeutung des Kontextes von Kunst und Geschichte, von Kunst und Politik, Kultur und Glauben, von politischen und sozialen Abläufen in Berlin am Beispiel von Kunst-am-Bau im öffentlichen Raum unterhaltsam und lehrreich nahe zu bringen. Um damit wiederum Hilfe bei der Orientierung an ihrem Aufenthaltsort zu gewähren. Angesprochen sind Erwachsene genauso wie Kinder, Familien genauso wie Einzelstehende.

Fahrbereitschaft nimmt ein für geflüchtete Menschen bekanntes Bild  – den Bus – auf und kehrt die Symbolik der Flucht um in einen positiven Start in der neuen Stadt. Der Bus ist Transportmittel, Projektraum und soziale Skulptur. Er wird dabei zu einer sich dynamisch verändernden Skulptur, zu einer Verbindung zwischen Alltag und Kunst-am-Bau, zwischen Menschen und Kulturen, zwischen Transit und Ankunft.

Die Idee, die Menschen aus den Unterkünften zu Kunst-am-Bau-Führungen einzuladen, ist zentrales Anliegen. Ein Minibus wird in die Obhut des gemeinnützigen Vereins Fahrbereitschaft e.V. gestellt, der über vier Jahre 100 Fahrten jährlich organisiert und durchführt. Der Bus ist ein Kunstobjekt, das über den Zeitraum seiner Benutzung zum Projektor und zur Projektionsfläche wird. Seine Wiedererkennbarkeit im Stadtbild und seine Präsenz an Orten verstärkter künstlerischer Aktivitäten (Gallery Weekend, Berlin Art Fair usw.) sind Teil der Absicht, als Botschafter für das Projekt zu agieren, an seine Aufgaben zu erinnern und das Netzwerk zu erweitern.

Die Fahrten zur Kunst am Bau in Berlin folgen dem Prinzip der kuratierten Kunstvermittlung. Das heißt, der Künstler und der Verein laden KünstlerInnen, KunstkritikerInnen, KunstwissenschaftlerInnen und SchriftstellerInnen ein, um jeweils eine Tour mit vier bis sechs Stationen durch die Stadt auszuarbeiten und einmal durchzuführen. Die jeweilige Tour wird dokumentiert, aufbereitet und dient später als Fahrplan für weitere nach dem Verfasser benannten Touren, die dann eigenständig von den Mitarbeitern des Vereins durchgeführt werden können.

 

Das Ding, 2016

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 19. Juli 2016

Wettbewerbsbeitrag für das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter

Strahlung

Strahlung ist überall. Man kann ihr nicht ausweichen. Obgleich die Hauptaufgabe und der damit begründete zentrale Standort des Bundesamtes in der Bewältigung der Atommüllentsorgung recht eindeutig zu sein scheint, macht das universelle Vorhandensein von Strahlung in allen Lebensbereichen die Idee des Schutzes vor Strahlung zu einer komplexen Angelegenheit. Es besteht zwar weitestgehend Einigkeit über die Gefährlichkeit bestimmter Strahlungsarten. Damit trägt die Bundesbehörde die Verantwortung zur Vermeidung von Schäden durch einen unsichtbaren Feind, aber sie hat auch die Verantwortung, Regularien für Strahlung zu finden, die sich bei ihrer Nutzung positiv auswirken. Strahlung dient genauso zur Zerstörung kranker Zellen, wie zur Stärkung des Immunsystems. Oft entscheidet die Dosis, ob die Strahlung schädlich ist oder nicht. Einerseits ist Strahlung nicht greifbar und unsichtbar, andererseits messbar und kontrollierbar. Diese scheinbaren paradoxen Wirkmechanismen und der Umstand der Unsichtbarkeit lässt dem Thema Strahlung viel Raum für Spekulation und Verschwörungstheorien. Auch hier ist das Bundesamt ein staatliches Regulativ.

Zierkürbis

Der Zierkürbis nimmt mit seiner bizarren und naturgewollt komischen Form in ironischerweise Art und Weise Bezug auf die Sorgen und Spekulationen der Bürger. Zugleich ist er Mahnmal einer schützenswerten Natur. Eine weltweit genutzte Kulturpflanze, die wohl im Gegensatz zum Menschen am wenigsten durch den Einfluss schädlicher Strahlenbelastung gefährdet wäre, wie auch die Natur insgesamt. So erinnert der Zierkürbis daran, dass es letztlich ganz einfach um den Fortbestand organischen Lebens geht. Er versinnbildlicht in mehrfacher Hinsicht das Schützenswerte. Ein frecher kleiner Klops, der das Fremde, das Unheimliche, das natürlich Unnatürliche, das Besondere, Normale und Banale, das Abnormale und das Exotische darstellt. Der Zierkürbis ist selbst schon eine Art naturgemachtes Kunstwerk. Er ist nicht nur das Ergebnis einer alten Gartenkultur und repräsentiert eine Erscheinungsform unzähliger Spielarten der Natur, sondern auch ein ritueller Begleiter durch die Jahreszeiten und damit Bildträger für die Bedeutung des Wechselspiels von Kultur und Natur.

Zur Zierde

Kunst will hier im direktesten Sinne Zierde sein. Der Zierkürbis trägt die Aufgabe bereits im Namen. Die Skulptur übersetzt die Besonderheit eines landwirtschaftlichen Produktes in ein nachhaltiges Bild aus Metall. Der silberne Aluminiumdruckguß versinnbildlicht das Schützenwerte, steht aber auch für Vielfalt und die damit verbundenen unterschiedlichen Erscheinungsformen. Die Skulptur ist rätselhaft und fragt nach den Zusammenhängen. Das Abwegigste wird plötzlich zum Naheliegendsten. Was die Bundesbehörde mit ihrer Arbeit auslöst, ergänzt die Skulptur: Fragen, auf die es verschiedene Antworten gibt, Diskussionen um Ursachen, für die es unterschiedliche Gründe gibt. Künstlichkeit ist kein Privileg der Kunst, so wie Strahlung kein Privileg der Wissenschaft ist.
Kunst legt hier nahe, daß Wissen allein oft nicht der einzige Weg ist, um die Aufgaben, die Sorgen und die Spekulationen um die Sicherheit vor Strahlung kompetent zu bewältigen. Vor dem Hintergrund manchmal nicht exakt bestimmbarer kausaler Zusammenhänge erzeugt der Zierkürbis ein Moment der Irritation, der Verwunderung und der Heiterkeit. Ein Wesen aus einer anderen Realität

Ort und Ausführung

Aus dem Raster der neun Bäume auf dem Vorplatz wird ein Baum entfernt. An dieser freien Stelle liegt die silbern glänzende Skulptur des Zierkürbis. Er ist mannshoch. Seine Oberfläche ist mattiertes bis glänzendes Aluminium. Sein Stiel verschwindet im Platz an der Stelle, wo vormals der Baum stand. Der Zierkürbis scheint blattlos aus dem Boden gewachsen zu sein. Seine Anmutung bleibt trotz der realistischen Vergrößerung eines originalen Zierkürbis kühl und künstlich, was durch die metallene Oberfläche verstärkt wird. Eine seltsame, amorphe Preziose, die an heiteren Tagen mit dem Sonnenlicht spielt.

Optional ist es auch denkbar, die Skulptur an anderer Stelle in den Boden zu pflanzen. Mit reduzierter repräsentativer Kraft, aber nicht weniger zur Freude des Betrachters könnte der Zierkürbis „Das Ding“ auch in einem der Innenhöfe des Neubaus erscheinen.

0real_size Kuerbis_Modell03 Kuerbis_Modell05 2d 3d2d 3d

 

Angelehnt, 2015

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 15. Mai 2015

Wettbewerbsbeitrag für den Neubau des materialwissenschaftlichen Zentrums für Energiesysteme auf dem KIT Campus Süd, Karlsruhe

MZE_test_150415_II MZE_test_150416_II

Das Bild wird von einem Baumstamm bestimmt, der sich in seiner materiellen Erscheinungsform gewandelt hat. Im Sinne der klassischen Naturnachahmung wird ein entasteter Kiefernstamm zur Porzellanpretiose. Elegant und fast wie zufällig lehnt der zwölf Meter hohe Stamm am Innenrand einer der Deckenöffnungen des Vordaches. Ein leichtes Spiel mit Kreis und Stecken in monumentaler Form. Ein lebensgroßes Modell eines Kiefernstammes, die Skulptur als Hinweis auf Energie, Ressourcen, der Baum als archaischer Baustoff, als ältester Energieträger der Menschheit. Durch seine das Dach überragende Höhe verbindet der Baumstamm aus Porzellan Innen- mit Außenraum, organische Form mit Geometrie, raue und matte mit glänzenden Oberflächen.

Der keramische Baumstamm weist auf ein Material hin, das einerseits für ästhetisch wertvolle Gebrauchsgegenstände steht und dem andererseits in der technischen Entwicklung der Vergangenheit und Zukunft eine große Bedeutung zukommt. Ähnlich wie das Bild des Baumes als ein fast stereotypischer Ausdruck für Leben ist Keramik ein alter Weggefährte des Menschen. Die Bedeutung des Baumes hat im Laufe der Zivilisation zu seiner umweltverändernden Dezimierung geführt. Die Spur der Keramik führt von Tonscherben aus der Frühzeit bis hin zu den Hitzeschutzkacheln an Raumfahrzeugen. Im alltäglichen industriellen Einsatz findet sich Keramik und Porzellan vor allem in den verschiedensten Energieübertragungssystemen wieder. Daher ist dieses universelle Material in einem hohen Maße auch Speicher der zivilisatorischen Leistung der Menschen.

Das Bild des Porzellanbaumstammes unter dem Vordach des Eingangsbereiches zum Institut ist eine Auseinandersetzung mit dem Ort, mit der Architektur, mit der Situation. Während ein Besucher aus der Ferne seine Aufmerksamkeit auf den aus dem Dach ragenden Teil des Baumstamms lenken wird, tritt unter dem Vordach die leicht gekippte „Säule“ in einen spannungsvollen Dialog mit den vier Stützsäulen, die sich im Umfang kaum unterscheiden. Der statischen Zuweisung der unverrückbaren Stützsäulen wird die Leichtigkeit und scheinbare Mobilität des angelehnten Baumstamms kontrastierend gegenübergestellt. Seine Oberfläche ist glatt und glänzend und verführt dazu, berührt zu werden.

Für die Skulptur wird ein Baumstamm aus der Region Schwarzwald ausgesucht und abgegossen. Das Abgießen ist ein rein bildhauerischer Vorgang ohne Hinzunahme digitaler Abbildungsverfahren. Die Abgussform dient zur Herstellung von halbschalenförmigen Porzellanfliesen, die an einer Grundkonstruktion, die aus einer Edelstahlsäule besteht, angebracht werden. Die Fließen bilden ein feines, unregelmäßiges und nur aus der Nähe sichtbares Raster.  Ziel ist es, für die Fertigung der Fliesen eine Porzellanmanufaktur oder einen Industriekeramikproduzenten als Partner zu gewinnen, der über ein hohes Maß an Erfahrungen bei der Keramikherstellung für den Außeneinsatz verfügt. So lehnt sich die Skulptur nicht nur an der Architektur an, sondern auch an moderne Produktionstechniken, um dabei der Natur nah zu kommen.

Permanent temporär, 2014

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 15. Mai 2015

Wettbewerbsbeitrag in Zusammenarbeit mit Heine/Lenz/Zizka Projekte Frankfurt für ein Desserteursdenkmal in Hamburg

Die Errichtung eines Gedenkortes für die Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz ruft zahlreiche kontroverse Diskussionen hervor, die mehr Fragen aufwirft als Historiker und Wissenschaftler beantworten können. Die Aufarbeitung der Thematik im vorliegenden Wettbewerb geht von der Nichtrepräsentierbarkeit des Unheils aus und. Kein Denkmal wird dem Unheil, den Widersprüchen und der schieren Größe der Gewalt gegen die Menschlichkeit gerecht. Das Gedenken kann nur als andauernder Prozeß, als interaktives, temporäres und partizipatorisches Werk bestehen. Als andauernde diskursive Massnahme läßt sich der Gedenkort nicht mit einer einfachen symbolischen Geste bewerkstelligen, es muss um die Umwidmung eines Denkmals der Heroisierung des Soldatentodes in einen Gedenkort für jene, die durch genau diesen Militärmaschine durch Dienstverweigerung zu Tode gekommen sind. Der Gedenkort wird zum historischen Beispiel für ein Unrechtssystem, das den Opfern von einer anderen Seite gedenkt. Die Umwidmung eines Gedenkortes folgt einer internationalen Tradition.

Ausgehend von dem Wissen um die Bedeutung der Geschichte des Ortes am Dammtor, dem Bestreben der Integration einer vorangegangenen Auseinandersetzung mit der Thematik und der Aufgabenstellung einer Schaffung eines zentralen Gedenkortes werden zwei Elemente vorgeschlagen: zum einen die permanente Einrüstung des 76er Denkmals und zum anderen ein wiederkehrendes gestalterisches Formblatt als Lochblatt, das als Logo, Infotafel oder Gedenktafel erscheint. Ergänzt werden diese Elemente durch eine mediale Vermittlungsplattform in Form einer Homepage und einer App.

Gerüst: Die dauerhafte Einrüstung des vorhandenen Denkmals erschließt die vorhandene Denkmalsthematik und verändert den Zugang zu und den Umgang mit ihr. Sie versetzt das Denkmal in den Zustand eines Provisoriums, das Denkmal in ein sich in der Rekonstruktion befindliches Objekt. Die monolithische Präsenz und vermeintliche massive Monumentalität des 76 Denkmals wird aufgelöst zugunsten einer fragilen, offenen Erscheinung durch die transparente Umbauung. Das Bild eines begehbaren Gerüstes zeigt eine Hilfskonstruktion die Bereiche zugänglich macht, die sonst ausserhalb unserer Reichweite liegen würden. Es zeigt einen Zustand der Auseinandersetzung, der Bearbeitung und des Vorläufigen.

Die Einrüstung bewertet die Verbindung zwischen Opfer und Täter, zwischen Legislative und Exekutive, zwischen Macht und Widerstand, zwischen demonstrativer Hülle und inhaltlicher Leere, zwischen dem Mut zum Zweifel und Bestreben der Wiedergutmachung neu.

Das Funktionale wird betont, durch die Rampe kann man sich das Denkmal auf Augenhöhe erschließen bis hin zu dem Punkt, an dem mit dem Erreichen der obersten Gerüstplattform die innere Leere des 76 Denkmal als kulissenhafter Hohlkörper sichtbar wird.

Lochblatt/Formblatt: Das Formblatt ist abgeleitet von einem gelochten DIN A 4 Blatt und dient als variables gestalterisches Grundelement, das für alle relevanten Inhalte am zentralen Gedenkort und an allen externen Orten als Display eingesetzt wird. Als Logo, als Informationstafel am Gerüst, als Gedenktafel kann es in Erscheinung treten. Erkennbar bleibt es immer an der Lochung und den vom DIN Format abgeleiteten Proportionen.

Das weisse Blatt Papier, das in Form von Verordnungs-, Gesetzes-, Protokollblättern benutzt, gelocht und abgeheftet wurde in der Kartei des Grauens, steht für die zahlreichen Schicksale der Opfer. Das weisse Lochblatt verweist auf die Aktenlage im Hintergrund und damit auf die Banalität des Bösen (Hannah Arendt). So kann es Sinnbild für die administrative Verwaltung des Unrechtsystems und die Normierung des Schreckens sein. Es steht für die systematische Unterordnung unter ein formalisiertes System und die vermeintliche Entschuldung aus selbigem.

Gerüst und Formblatt/Lochblatt: 

Gerüst, Rampe, und Lochblatt/Formblatt sind die Instrumente, die die prozesshafte Erschließen eines neuen, korrespondierenden Denkmals ermöglichen.

Die barrierefreie Rampe führt an den mit Informationen zu den Opfer gefüllten Formblättern vorbei zur um das Denkmal herum. Mit dem kontemplativen Akt des Betrachtens des profanen Inhalts sowie durch die Möglichkeit, durch das Gehen unterschiedliche Betrachterpositionen einzunehmen, wird die ursprünglich repräsentierte Idee des 76er Denkmals auf eine einfache Art und Weise durch die eigene so bisher nicht sichtbare Gestalt relativiert. Die Erfahrung des Gedenkens erfolgt durch ein symbolisches Sich-Ablösen vom Boden jahrzehntelanger historischer Fakten.

2014hamburg5

2014hamburg6

2014hamburg1 2014hamburg2

2014hamburg3 2014hamburg4

Vorhang

Posted in Alles, Kunst-am-Bau by vialewando on 12. Mai 2013

Entwurf für die Cafeteria des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Insel Riems

Ausgangspunkt der Arbeit bildet die Betrachtung eines wissenschaftlichen Modells und seiner Form: die Darstellung des Antikörpers. Diese Entscheidung wird bewußt als positive Alternative zum Modell des Isokaeders, zum Bild des unmittelbaren Forschungsgegenstandes dem Virus gewählt. Als ein wichtiger Bestandteil im System der Immunabwehr wird der Antikörper als allegorisches Bild für den Schutz gegen Infektion und Krankheit gesetzt. Der Virus, der sonst allgegenwärtig ist, soll damit nur indirekt angesprochen werden. Es ist vielmehr Ziel, ein Modell für Erkenntnisprozesse zu entwickeln und das Prinzip von Schutzfunktionen und den damit notwendigerweise verbundenen Strukturen zu reflektieren. Dabei soll die Wahrnehmung einer ästhetischen Qualität von Rastern und Mustern mit einer Vielzahl von Bedeutungen konfrontiert werden. Denn mit der beeindruckenden Schönheit der nano-fotografischen Formenfülle ist die Kunst erst am Anfang ihrer Möglichkeiten.

Die Arbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Einer exemplarischen Isolation mit der Darstellung als solitäres Objekt des Antiköper-Symbols sowie seiner Vervielfältigung als klonaler Antikörper in einer großen Gruppe. Isolation und Vervielfachung beschreiben eine wissenschaftliche Methode in der Forschung. Die Gegenüberstellung auf den rechtwinklig zueinander liegenden Wänden ist auch der Vergleich von Individuum und Masse am Eingang und im großen Raum. Auf beiden Seiten ist das Objekt des einzelnen Antikörpers – als solitär und in der Gruppe – als rot leuchtendes Zeichen dargestellt.

Dabei werden bei dem für die Vervielfachung zugrunde liegendem Muster nicht fünf, sondern vier Antikörper in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet und zusammengesetzt. In der Wiederholung entsteht daraus ein Achteck. Das wiederum ist seit der Antike ein vielgenutzter Grundriß, der auf das Urbild des achtstrahligen Sterns zurück geht und ein Symbol für Vollkommenheit darstellt. In der Architektur ist das Achteck eine gebräuchliche Form für Wehranlagen. Andererseits war diese sich so bildende Ornamentik auch im häuslichen Bereich bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet.

Der so gestaltete Vorhang überzieht als gleichmäßiges Raster 8 Meter der Wand im großen Raum und ist am Ende einer Seite scheinbar zusammengeschoben. An dieser Stelle überlagert sich die Ornamentik zu einer verdichteten Form, bei der der einzelne Antikörper nicht mehr sichtbar ist. Damit wird die Idee des Schutzes und seinen Grenzen im Sinne eines Netzes, Gitters, Zaunes oder Vorhangs unterstrichen.

Der sich durch die konservativ anmutende Ornamentik ergebende Eindruck wird durch die Umsetzung der Materialität als Chrom glänzende Metallkonstruktion gebrochen. Die das Licht reflektierenden weichen Formen der einzelnen Elemente vermitteln den Eindruck eines aus dem Industriedesign entlehnten vergrößerten Rasters. Die Abformung der Elemente ist ähnlich der für das Tiefziehverfahren typischen Erscheinung. Durch seinen geringen Abstand von der Wand entsteht ein zusätzliches Schattenspiel, das die Plastizität und Tiefenwirkung verstärkt. Die Oberlichter, das Tageslicht der großen Fensterfront und die Tageszeit abhängige künstliche Raumbeleuchtung werden die glänzenden Oberflächen des Wandreliefs immer wieder neu inszenieren. Der Minimalismus der Struktur spielt mit einer narrativen Geste zur Architektur des Raumes. So wird ein schmaler Streifen des Fensters oberhalb der Tür verdeckt. Das betont nicht nur die Idee des Vorhanges, sondern verstärkt den Eindruck des Vorhanges des an dieser Stelle auch von hinten sichtbaren Halbreliefs.

2013riems_klein 3

2013riems_klein 1

2013riems_klein 2