Via Lewandowsky

Irsinn Punkt

Posted in Alles, Arbeiten, Kunst-am-Bau by vialewando on 25. Juni 2018

Wettbewerbsbeitrag für das NS – Dokumentationszentrum und Denkmal zur Bücherverbrennung am Königsplatz in München

Für das Konzept des Denkmals sind vier Eigenschaften maßgeblich:

  1. Das Denkmal verwendet nicht das Buch in seiner physischen und symbolischen Präsenz und Abwesenheit, da es als Allegorie, Piktogramm und Skulptur zur beliebigen Geste werden kann.
  2. Es weist auf die zeitenübergreifende Dimension der Bücherverbrennung hin und beschränkt sich nicht auf ein Datum. In Deutschland haben Bücherverbrennungen nicht nur an einem Tag stattgefunden, sondern sind ein Phänomen der Dauer. Das Denkmal ist somit nicht nur lokal wirksam, sondern erfasst die Bücherverbrennungen als Bewegung und Prozess, der mitunter heute auch noch wirksam ist.
  3. Das Denkmal erinnert nicht nur abstrakt an die Geschehnisse, sondern enthält auch ein Statement, damit es nicht zum Teil des Inventars einer Stadtmöblierung verkommt.
  4. An einem so bedeutsamen Ort wie dem Königsplatz in München, wo der Geist kulturhistorischer Höhenflüge der Menschheit durch die Museen und Universitäten und die städtebauliche Anlage herrscht, führt das Denkmal dem Geist seine größte Schwäche und Gefahr vor Augen. Das Denkmal wird so auch als Bedrohung formuliert, die jederzeit wieder stattfinden kann, denn der Geist ist immer anfällig für den Irrsinn.

In den gestampften Kiesboden vor den Stufen zum Eingang der Antikensammlung ist der vier Meter lange und ein Meter breite Schriftzug „Irrsinn.“ in einer klassischen Buchdruck-Typographie aus Stein in den Boden flächenbündig eingelassen.

Im Verhältnis zur Platzgröße sucht sich die Dimension des Schriftzuges seinen Bezugspunkt eher an der Größe des Rondells als einem Element der Gesamtstruktur als an der gesamten Größe des Platzes. Der Schriftzug ist wie eine Landkarte nach Norden ausgerichtet: West/Ost entspricht links/rechts, Nord/Süd entspricht oben/unten.

Der begehbare Schriftzug ist aus der Ferne kaum wahrnehmbar, weil er sich in seiner Farbigkeit nur leicht vom Boden unterscheidet. Um ihn dennoch gut lesen zu können, steigt man am besten auf die Stufen der Antikensammlung. Je nach dem Wissensstand des Passanten, Besuchers oder Interessenten erklärt sich der Schriftzug „Irrsinn.“ anders.

Der Schriftzug fungiert als Inschrift auf dem Platz, die zusätzlich die konkreten Orte und Zeiten aller deutschen Bücherverbrennungen als Inschrift trägt. Dieser Text im Schriftzug ist so verfasst, dass er auch international gelesen und verstanden werden kann.

Das Bodendenkmal entfaltet seine Wirkung nicht über die Größe der Ausführung, sondern über die Kraft des Wortes „Irrsinn.“ Formal bleibt es fast unsichtbar, so wie auch der Irrsinn so lange unsichtbar ist, bis er sein Zerstörungswerk beginnt. Irrsinn kann man nicht schön reden, nicht relativieren, kann man nicht im Positiven vereinnahmen, das Wort ist hermetisch, inkompatibel. Irrsinn ist der Gegensatz zur Vernunft. Irrsinn ist Irrsinn. Punkt.

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Inschrift

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Quäntchen Ich oder Maßstab und Dimension (Mensch: Ärgere Dich nicht!), 2018

Posted in Alles, Arbeiten, Kunst-am-Bau by vialewando on 2. Februar 2018

Sheldon Cooper: „Hast du dich manchmal gefragt, wie die Menschen wären, wenn sie sich aus Reptilien statt aus Säugetieren entwickelt hätten? … Wie du weißt, sind Reptilien kaltblütige Lebewesen, ihnen fehlt die Fähigkeit, Temperatur zu fühlen. Aber sie bewegen sich schwerfälliger, wenn es kalt ist. Also würde der Echsen-Wettermann so etwas in der Art sagen wie: Zieht eine Jacke an, draußen ist es langsam.“ (Prolog aus „The Big Bang Theory“, Staffel 5)

Die Wissenschaft hatte es bisher immer geschafft, anschauliche Modelle für ihre manchmal schwer zu fassenden Erkenntnisse zu entwickeln. Doch nach Schrödingers Katze wurde es ruhig um populäre Wissenschaftsmodelle, wenn es um die Reisen in andere Dimensionen ging. Im Gegenteil: 32 Jahre nach Schrödinger baut man ein Atomium auf der Weltausstellung in Brüssel. Was die Wissenschaft denkt, führt oft lange Zeit ein nachweisloses Dasein und erst recht schwer zu visualisierendes. Zunehmend wird auch der wissenschaftliche Nachweis zum abstrakten Bild ohne Referenz zum Vertrauten. Die Lust an Erklärungsmodellen auch für das Unfaßbare bleibt dennoch erhalten. Auf dem Weg in die Weiten des Universums sowie in den subatomaren Kosmos bleiben Zahlen oft unsere letzten Vertrauten. Denn auch ein noch so elegantes Zeichen wie das der Zeta-Funktion kann den Unkundigen nicht davor bewahren, noch tiefer in die Nacht des Unvorstellbaren zu versinken. Sind sich die Wissenschaftler überhaupt im Klaren darüber, in was für schwindelerregenden Dimensionen für den Außenstehenden sie völlig selbstverständlich unterwegs sind, wenn sie mit den Zehnerpotenzen spielen? An was hält man sich noch fest, wenn sich alles aufzulösen scheint, wenn alles Vertraute, alle mühsam gelernten Gesetzmäßigkeiten keine Hilfe mehr bei der Orientierung sind?

Die Arbeit „Quäntchen Ich oder Maßstab und Dimension (Mensch: Ärgere dich nicht!)“ ist ein Gedankenmodell, daß der Frage nachgeht, wie klein ist wie weit und dabei zwei Ziele verfolgt: einmal durch die Größenumkehrung der Pikostrukturen einen Einblick in die Dimension der Forschungsrealität zu konstruieren und zum anderen dem wissenschaftlichen objektiven Modellen ein künstlerisches, auf Intuition und subjektive Interpretation bauendes Modell gegenüber zu stellen. Denn das Vergrößern der Verkleinerung bewirkt eine bessere Orientierung, obwohl auch diese Umkehrung an die Grenzen ihrer Vorstellbarkeit stößt. Zumindest stellt sich bei Vergrößerungen durch die Multiplikation mit einem bekannten Maßstab das Gefühl ein, zu wissen, was es zum Beispiel heißt, drei Sonnensysteme groß zu sein. In den Engen der Nano-, Piko- und Femtometeruniversen dagegen ist alles fremd, weil es außer dem Minus vor der Zehnerpotenz keine vertrauten Bilder und Analogien mehr zu unserer Welt gibt.

Das Modell zur Veranschaulichung ist ein aus 5 Mensch-Ärgere-Dich-nicht-Figuren bestehender, einem Molekül- oder Atommodell ähnelnder Haufen. Dieses Spielfiguren-Cluster, im folgenden auch Ludo-Cluster (von der Bezeichnung des zu Grunde liegenden Spiels abgeleitet) genannt, gibt es einmal in seiner Originalgröße als zweidimensionale Schablone in einer Stele an der Grundstückgrenze und einmal als überlebensgroße, 3 m hohe Skulptur 13 m von der Stele entfernt vor dem Eingang zum Gebäude.

Der Blick in die Welt der subatomaren Teilchen wird jetzt durch einen Größenvergleich ermöglicht, bei dem der Betrachter, um 10 Billionen Einheiten verkleinert, sich in einem quantenmechanischen Zustand befindend aus der subatomaren Welt herausschauen kann. Hier sind zwar die Protonen immer noch so klein wie Schneeflocken, aber es ginge noch kleiner. Denkt man sich nun die reale Welt um diesen Faktor vergrößert, denn Platz hat man ja im Universum, kann man jetzt die Skulptur gedanklich in den Weiten des Weltraumes abstellen.
Anhand der Schablone und der auf dem Rasen liegenden Skulptur, die man wie beim Daumensprung auf Größe und Entfernung schätzen kann, wird nun demonstriert, wie weit weg und wie groß die Skulptur in der „wirklichen Welt“ dann wäre, und wo die Skulptur dann stehen würde.
Dabei fungiert die Stele als Tür mit einem Quasi-Schlüsselloch, durch das wir um 1,8 mal 10⁻¹³ Meter verkleinert aus unserer Zehnbillionstel-Welt schauen. In dieser Welt wäre eine Figur des Ludo-Clusters 1,8 mal 10¹⁰ Kilometer hoch. Um sie dann auch noch durch das Schlüsselloch in Gänze sehen zu können, müßte sie 1,94 mal 10¹² km entfernt sein. Das sind 0,2 Lichtjahre oder 13.000 AE (Astronomische Einheiten, die Entfernung Erde–Sonne). Die gewaltige Größe entspricht etwa 300 Ausdehnungen unseres Sonnensystems.

Die Skulptur mit den fünf vergrößerten Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielfiguren ist aber nicht nur ein Platzhalter für die gedankliche Vergrößerung zur Veranschaulichung der Verkleinerung, sondern ist auch ein fröhlicher Kommentar auf die Mühen der Erkenntnisgewinnung. Die Anlehnung an ein physikalisches Modell ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit bekannten molekularen Strukturen oder Atommodellen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

Anhaften am Das, 2017

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 8. September 2017

Gründe, die zur Aufgabe einer Suche führen, folgen nicht immer einer rational nachvollziehbaren Argumentation. Die Verknüpfung von Mißgeschick und nicht mehr ganz einfach rekonstruierbaren Ereignisketten beenden dann zum Beispiel das Vorhaben weiterzugraben, weiterzutauchen, weiterzulesen, weiterzusuchen. Im Zeitalter der Hochtechnologie und der ungebremsten Wahrheitsfindung, dem Bezwingen der letzten Regionen Terra incognita, der ständigen Wortmeldungen zu ehemals ehernen Geheimnissen ist das zwar eine seltene und unvorstellbare Angelegenheit, aber es kann vorkommen.

Die Konstruktion einer gescheiterten Suche ist die Konstruktion einer Sehnsucht nach Unerklärbarkeit oder auch Undenkbarkeit. Das Undenkbare als poetischer Ort trifft auf eine durch und durch bekannten und eindeutigen Raum.

Auf dem Acker der Veranstaltung steht ein einsames Rohr, daran hängt ein Baggerarm mit Baggerschaufel. Die losen Enden der Hydraulikschläuche lassen vermuten, daß der Arm unter größter Gewalteinwirkung vom Bagger abgerissen worden ist.

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und, 2016

Posted in Arbeiten, Kunst-am-Bau by vialewando on 21. Juli 2016

Wettbewerbsbeitrag für die FU Berlin

Der Ausgangspunkt von „UND“ besteht in der Gegenüberstellung von Begriffen, von Themen, von Gegenständen, von Orten und von Zeiten. Anhand von jeweils einem Gegenstand im Innen- und im Außenraum, der jeweils eine Form der Betrachtung darstellt, werden Verbindungen zwischen einem Treppenhaus und dem Wiesengrund, zwischen tief und eben, zwischen beschriftet und unbeschriftet, zwischen vorher und nachher, zwischen dem Abwesenden und dem Anwesendem, zwischen dem Konkreten und dem Gedachten und zwischen Wissen und Erkenntnis geschaffen. Es wird ein Bezug beider Objekte zu ihrem jeweiligen Standort hergestellt, der wiederum Ausdruck ihrer relationalen Möglichkeiten an sich ist. Es geht um Gegensätzliches und um Unterschiedliches als Teile eines gemeinsamen Ganzen.

Im Treppenhaus der Fächer Vorderasiatische Altertumskunde und Islamwissenschaft befinden sich zwei um den Faktor 14 vergrößerte DIN A4 Papierblätter aus Aluminium. Sie sind nicht beschriftet und blendend weiß. Ein Blatt befindet sich in der obersten Ebene und löst sich scheinbar von der Wand. Das zweite Blatt ist bereits nach unten geschwebt und berührt beinahe den Boden des Treppenhauses. Es sind wie zwei Phasen einer Bewegungschoreographie, Lösen und Halten, Schweben und Liegen.Auf dem Rasen am Rand des Wiesengrunds liegt ein um sein vielfaches vergrößerter Holzsplitter in Bronze. An den durch die Vergrößerung gut sichtbaren Fasern befinden sich gut lesbare Begriffspaare. Die wuchtige Erscheinung des Splitters erinnert an einen Felsstein, die vergrößerte Holzmaserung an Gesteinsschichten und Sedimente.

Wichtige Begriffspaare des Konzeptes (Auswahl): unbeschrieben und beschriftet, Artefakt und Reflexion, Gedanke und Gegenstand, das Eingeschriebene und das Unbenannte, das Einzelne und das Serielle, Inschrift und Notiz, das Flüchtige und das Aufgeladene, das Bewegte und das Statische, Distanz und Nähe, Schichten und Stapel, Holz und Papier, abstrakt und konkret, minimalistisch und narrativ, vergrößern und skalieren, leicht und schwer, schwebend und liegend, oben und unten, innen und außen

Begriffspaare für den Holzsplitter (Beispiele): Logik und Rhetorik, Metapher und Konstrukt, Abdruck und Verweis, Spur und Verschwinden, Deixis und Entzug, Materialität und Räumlichkeit, Imagination und Projektion, Markierung und Verweis, Sprache und Schweigen, Irrationalität und Wunschvorstellung, Aufmerksamkeit und Partizipation, Dispositiv und Zeichen, Absenz und Präsenz, Referenz und Referenzlosigkeit, Übergang und Transformation, Aktualität und Affekt, Abstand und Nähe, Wahrnehmung und Glaube, Zeit und Dichte, Sinnlichkeit und Sinn, Sichtbares und Berührbares, Dynamik und Augenblick, Wissen und Erkenntnis, Ethik und Ästhetik, Repräsentation und Referenz

Ziel ist es für die Erarbeitung der Begriffspaare die Lehrenden und die Studierenden mit einzubeziehen. Wichtige Themen und Begriffe können hier verewigt werden. Durch das Ein- schreiben der Lehrinhalte in Bronzefuß entsteht ein gegenwärtige künstlerische Momentaufnahme universitärer Diskurse.
Der vorliegende Entwurf zeigt eine rein simulierte Wirklichkeit, ein Stereotyp eines Holzsplitters. Die Form des Splitters könnte aber auch eine Referenz auf einen vorhandenen Splitter in der Sammlung der Freien Universität sein. Die Verbindung zu einem realen Gegenstand ist möglich.

 

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Angelehnt, 2015

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 15. Mai 2015

Wettbewerbsbeitrag für den Neubau des materialwissenschaftlichen Zentrums für Energiesysteme auf dem KIT Campus Süd, Karlsruhe

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Das Bild wird von einem Baumstamm bestimmt, der sich in seiner materiellen Erscheinungsform gewandelt hat. Im Sinne der klassischen Naturnachahmung wird ein entasteter Kiefernstamm zur Porzellanpretiose. Elegant und fast wie zufällig lehnt der zwölf Meter hohe Stamm am Innenrand einer der Deckenöffnungen des Vordaches. Ein leichtes Spiel mit Kreis und Stecken in monumentaler Form. Ein lebensgroßes Modell eines Kiefernstammes, die Skulptur als Hinweis auf Energie, Ressourcen, der Baum als archaischer Baustoff, als ältester Energieträger der Menschheit. Durch seine das Dach überragende Höhe verbindet der Baumstamm aus Porzellan Innen- mit Außenraum, organische Form mit Geometrie, raue und matte mit glänzenden Oberflächen.

Der keramische Baumstamm weist auf ein Material hin, das einerseits für ästhetisch wertvolle Gebrauchsgegenstände steht und dem andererseits in der technischen Entwicklung der Vergangenheit und Zukunft eine große Bedeutung zukommt. Ähnlich wie das Bild des Baumes als ein fast stereotypischer Ausdruck für Leben ist Keramik ein alter Weggefährte des Menschen. Die Bedeutung des Baumes hat im Laufe der Zivilisation zu seiner umweltverändernden Dezimierung geführt. Die Spur der Keramik führt von Tonscherben aus der Frühzeit bis hin zu den Hitzeschutzkacheln an Raumfahrzeugen. Im alltäglichen industriellen Einsatz findet sich Keramik und Porzellan vor allem in den verschiedensten Energieübertragungssystemen wieder. Daher ist dieses universelle Material in einem hohen Maße auch Speicher der zivilisatorischen Leistung der Menschen.

Das Bild des Porzellanbaumstammes unter dem Vordach des Eingangsbereiches zum Institut ist eine Auseinandersetzung mit dem Ort, mit der Architektur, mit der Situation. Während ein Besucher aus der Ferne seine Aufmerksamkeit auf den aus dem Dach ragenden Teil des Baumstamms lenken wird, tritt unter dem Vordach die leicht gekippte „Säule“ in einen spannungsvollen Dialog mit den vier Stützsäulen, die sich im Umfang kaum unterscheiden. Der statischen Zuweisung der unverrückbaren Stützsäulen wird die Leichtigkeit und scheinbare Mobilität des angelehnten Baumstamms kontrastierend gegenübergestellt. Seine Oberfläche ist glatt und glänzend und verführt dazu, berührt zu werden.

Für die Skulptur wird ein Baumstamm aus der Region Schwarzwald ausgesucht und abgegossen. Das Abgießen ist ein rein bildhauerischer Vorgang ohne Hinzunahme digitaler Abbildungsverfahren. Die Abgussform dient zur Herstellung von halbschalenförmigen Porzellanfliesen, die an einer Grundkonstruktion, die aus einer Edelstahlsäule besteht, angebracht werden. Die Fließen bilden ein feines, unregelmäßiges und nur aus der Nähe sichtbares Raster.  Ziel ist es, für die Fertigung der Fliesen eine Porzellanmanufaktur oder einen Industriekeramikproduzenten als Partner zu gewinnen, der über ein hohes Maß an Erfahrungen bei der Keramikherstellung für den Außeneinsatz verfügt. So lehnt sich die Skulptur nicht nur an der Architektur an, sondern auch an moderne Produktionstechniken, um dabei der Natur nah zu kommen.

Undichte Stelle, 2011

Posted in Arbeiten, Kunst-am-Bau by vialewando on 6. März 2015

Aus aktuellem Anlaß (BND-Watergate) möchte ich auf einen Wettbewerbsbeitrag von mir aus dem Jahr 2011 verweisen.

 

Die Arbeit „Undichte Stelle“ ist eine Skulptur, ein Denkmal, ein Ort der Besinnung, ein Wasserspiel, ein interaktiver Raum, eine audiovisuelle Anlage, eine Überlegung.

Die Arbeit bezieht sich auf die geordneten Raumstrukturen des Innenhofes, auf die Funktion des Ortes als Pausenhof und auf die Thematik der gesamten Anlage des BND.

Die Skulptur ist ein Knäul aus Rohrleitungen, dass von einer mannshohen Zu- und Ableitung getragen wird. Die Rohre sind etwa 5 cm dick und aus gebürstetem Bronzerohr. Sie ragen aus dem Boden wie ein repariertes Stück des sonst unsichtbaren unterirdischen Rohrleitungssystems. Die „reparierte Stelle“ hat jedoch mehr die Anmutung von Gehirnwindungen. Durch ihre nur leicht überhöhte Größe einer menschlichen Person hat sie auch eine figurative Präsenz.

Im Ensemble des Innenhofes zeichnet sie sich eher durch Unauffälligkeit und Selbstverständlichkeit aus. Da die Skulptur nicht durch ihre räumliche Ausprägung den Raum bestimmt und gestaltet, kommen ihr die Qualitäten einer zeichenhaften, den Ort markierenden Erscheinung zu. Als verdichtete Unordnung, als Rätsel eines sich selbst umschlingenden, sich windenden und verdrehten, scheinbar nicht zu entwirrenden Weges hat die Rohrleitung eine hohe gestalterische Ästhetik. Ihre zerebrale Anmutung ist dabei nur eine weitere allegorische Ebene. Damit lädt sie zum Betrachten und Verweilen, zum Sinnieren und Meditieren ein.

Zum Brunnen, zum Wasserspiel wird die Skulptur, wenn Menschen den Innenhof betreten und durch Schritte oder Unterhaltung eine Raumklang erzeugen. Dann öffnen sich unterschiedliche Ventile, die in der Skulptur versteckt sind und lassen Wasser wie aus einer undichten Leitung tropfen, rinnen oder spritzen. Je nach Intensität der Akustik im Innenhof verstärken sich die leckenden Rohrabschnitte und werden zum spontanen Wasserspiel. Unbeachtet und einsam ist nur ein leichtes Tropfen an einer Stelle zu beobachten.

Die Verbindung von akustischer Sensorik und dem Sprudeln aus dem lecken Leitungsgewirr wird zur spielerischen Auseinandersetzung aktueller Themen, an deren Ende die Neuauflage eines barocken Wasserspieles steht. Damit wird der Innenhof stärker an die Idee einer Parkanlage gebunden und reflektiert gleichermaßen die Bedeutung moderner urbaner Parklandschaften.

Abhängig von der Jahreszeit und den Außentemperaturen wird das Wasser, das durch die Leitungen fließt, aufgeheizt. Das Bild der Rohrleitungen verändert sich bei niedrigen Temperaturen durch das Aufsteigen von Wasserdampf. Sie könnten jetzt zu einem Teil eines Heizkreislaufes gehören. Dadurch ist auch eine Wahrnehmung der Aktivität aus größerer Distanz möglich.

 

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Span/span

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 26. September 2012

Span (Englisch/Deutsch) Abgrenzung, Abstand, Bereich, aufspannen, Feld, Joch, Laufzeit, Öffnung, Spanne, Spannweite, Variationsbreite, Zeitspanne

Span (Deustch/Englisch) blade, chip, elongated flake, kindling, scale of wood, spill, Splint, splinter, swarf, turning, span of life, centre span, spick and span

Idee
Die Umwandlung eines alten Kasernengeländes zu einem modernen Universitätscampus verändert neben der Architektur alter und neuer Gebäude auch die Topographie. Besonders bei der Hochschule Fulda ergeben sich aus der leichten Hanglage zusätzliche Möglichkeiten. Die Freitreppe zum neuen Campus ist nicht nur die funktionale Überwindung eines Niveauunterschiedes, sondern auch ein landschaftsarchitektonisches Geschenk.
Der Entwurf „Span“ nimmt Bezug auf die Besonderheit dieser Treppe und ihre wie aus dem Hang heraus geschnittenen Stufen. Die Treppe ist im Konzept der Architekten das Alleinstellungsmerkmals des Platzes. Eine Kaserne würde sich so eine Freitreppe nicht leisten.
Der Span macht den Ort zum Modell und zum Sinnbild für Transformation. Dabei steht der Span nicht nur für den Prozess von Arbeit, sondern für Forschung, Entwicklung und Entwurf.
Der Span ist hier die künstlerischen Übersetzung einer aus der Treppe geschnitzten Stufe. Die gedachte Stufe verdreht sich dabei zu einer aufsteigenden, sich zur Seite neigenden Spirale. Das Stufenmaß wird am Anfang des Spanes vollständig aufgenommen. Am Ende der schneckenförmigen Verjüngung wird der Span schmaler.
Abgerollt entspricht die Länge der Stufe genau der Entfernung vom Standort des Spanes bis zum Ende der Treppenstufe. Auf der anderen Seite nimmt die Treppe nach zwei Metern den normalen Stufenrhythmus wieder auf. Der Span dieser Seite liegt an der Treppenkante.
Form
Die Oberflächenspannung, wie sie bei durch Materialwegnahme erzeugten Produktionsprozessen entstehen kann, erzeugt die Form. Die Form des Spans erinnert an eine Spirale, einen Strudel, einen Wirbel, eine Pirouette.
Die Eleganz und Leichtigkeit bleibt trotz der vielfachen Vergrößerung erhalten. Dabei neigt sich die Spirale in zwei Achsrichtungen und beschreibt abermals eine kreisförmige Bewegung. Im Dialog mit der auf dem Boden liegenden Form entsteht eine zusätzliche Spannung zwischen den Richtungswechseln. Egal aus welcher Position man die beiden Spiralen betrachtet, ergeben sich immer neue Formen und Linienführungen. Der Winkel der Stufe folgt den Maßen von Treppenhöhe- und breite. In diesem Verhältnis bildet sich eine starke grafische Linienführung ab, bei der die wechselnde Schattenkante der Innen- und Außenseite des Winkels ein optisches Verwirrspiel ergibt. Die sich aufrichtende Spirale zeichnet ihre Bahnen in den Himmel. Weil die Innenkante zur Außenkante wird und umgekehrt, sind die Linien bei allen Lichtverhältnissen gut zu erkennen. Die artistische Anmut der Verdrehung verleiht der Skulptur bei ihrer geringen Oberfläche der sich verjüngenden Stufenbreite ein optisches Volumen, dass sich auf der Freifläche des Treppenaufganges gut behaupten kann. Das sich durch die Linien bildende Volumen steht im Kontrast zum Anfang des Spanes. Das optische Volumen balanciert nun schon fast magisch auf einem dünnen eleganten Schwung. Insgesamt wird eine neue Form auf dem Platz etabliert, die sich zu der klaren und reduzierten Formensprache der Architektur abzeichnet.
Bedeutung
Mit der Treppenstufe, die sich zu einer in den Himmel wirbelnden Linie verwandelt, wird Bezug auf die Allegorie des bearbeiteten Geländes genommen, in das die Freitreppe „geschnitzt“ wurde. Die Umnutzung wird als Umformung dargestellt. Transformation.
Dem flüchtigen Betrachter wird zuerst die Eleganz einer freien Form auffallen. Die Skulptur ist in diesem Augenblick ganz bei sich. Kunst.
Die Aura der Leichtigkeit der in die Höhe schnellenden Treppenstufe geht auf dem Platz eine Korrespondenz mit den Gebäuden der Verwaltung, der Bibliothek und der Mensa ein.
Ob es um Kreativität und Wissen, um Entspannung und Genuß, um Bürokratie und Organisation geht, immer scheint die Form des Spanes ein ideales Maß des Tuns zu sein.
Trotz ihrer freien Form oder gerade deswegen ist sie auch ein Zeichen für höchste technische Ansprüche, handwerkliche Möglichkeiten, die auf jeden Studierenden zukommen werden. Die Universität wird als Werkstatt der Wissensproduktion begriffen.
Material
Die Skulptur wird aus Kohlefaserstoffen produziert. Die Oberfläche ist metallisch versiegelt. Der Sandwichaufbau, wie er in der Skiproduktion oder im Flugzeugbau Anwendung findet, gewährleistet die notwendigen statischen Vorraussetzungen. Darüber hinaus lassen sich so die Transport- und Fertigungsbedingung der 9 Meter hohen Skulptur leichter realisieren. Zwar ist auch ein Metallbau möglich, Angebote entsprechender Firmen liegen vor. Da sich aber die Skulptur bei bestimmten Wetterlagen bewegen wird, hat die bewusste Nutzung der Schwingungsmöglichkeit künstlerischen Vorrang.
Beleuchtung
Der Span wird durch Bodenscheinwerfer nachts in Szene gesetzt. Die Umkehrung der tagsüber dunklen grafischen Linien zu strahlenden hellen wird durch eine silbrig mattierte Oberfläche erreicht. Durch Verwendung von farbigem Leuchtmitteln können hier zusätzlich, entsprechend der Jahreszeit, Anpassungen vorgenommen werden.

WordWatch

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 16. September 2012

Seit dem 13. Oktober, 2012 ist meine erste App für iPhone, iPad und iPod touch, die von Ivo Wessel entwickelt wurde, im iTunes-Store erhältlich.

Eine erste Anwendung kann man zur Zeit in der Ausstellung „Termin für ein Pointe“ in der Andrae Kaufmann Gallery sehen. Die Arbeit „Uran, Iran, Urin“ nutzt drei iPod touch und drei verschiedene Bilderlisten aus dem Archiv von WordWatch

Nicht-Ich

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 12. Juli 2012

Die Frage, die sich im Angesicht der deutschen Geschichte immer wieder stellt, ist schon
fast ein kultureller Stereotyp hierzulande: Wie konnte ein Land der Dichter und Denker
zwei Kriege mit insgesamt mehr als 73 Millionen Toten herbeiführen?
Die Überarbeitung einer Gedenkstätte für 700 Wurzener Bürger, die stellvertretend für 17
Millionen Tote des Ersten Weltkrieges stehen, im Angesicht weiterer 56 Millionen Toter ist
praktisch unmöglich. Bei dieser schier unfassbaren Dimension des Todes kann ein solcher
Versuch nur eine historische Dauerbaustelle werden. Dass auf dieser Baustelle dringend
wieder etwas gemacht werden muß, zeigen nicht nur die Versuche der Stadt Wurzen, eine
Lösung für den Umgang mit ihrer Kriegsgedenkstätte zu finden, sondern auch die
aktuellen Berichte der politischen Entwicklung in Europa. Die Liste der Beispiele für das
Aufstoßen des Unverdaubaren aus dem Abgrund der historischen Sickergrube ließe sich
endlos fortsetzen.
Wer glaubt, dass nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands ein
neuer Blick auf das Geschehene möglich ist, der irrt. Nachdem die Tätergeneration fast
vollständig aus dem Leben geschieden ist, wird das Erbe der historischen Unfassbarkeit
an die nächsten Generationen weiter gereicht.
Das Thema des Gedenkens für das Grauen des Krieges genau da zu suchen, wo das
Unverständnis beginnt, wo das Rätsel trotz aller logischer historische Analyse sich
konsequent jeder sinnvollen Lösung entzieht, ist eine Möglichkeit heutiger Trauerarbeit
und Gedenkens.
Um deutsche Philosophen in die Nähe des Gedenkens zu rücken, um den Widerspruch
zwischen ihrer Genialität und dem Verderben aufzuzeigen, werden die Leitbegriffe ihres
Schaffens wie Bausteine oder lose Bruchstücke um und in der Denkmalsanlage verteilt.
Die Begriffe lassen weiter reichende Ideen historischer Personen ganz konkret werden. So
stehen für SEIN und DASEIN Martin Heidegger, für WAHRHEIT Hans-Georg Gadamer, für
TUN, VERNUNFT und ERKENNTNIS Immanuel Kant, für GEIST und VERNUNFT
Friedrich Hegel, für ICH und NICHT-ICH Johann Gottlieb Fichte und so weiter. Jeder
Begriff lässt sich unmittelbar auf die Geistesgeschichte Deutschlands zurückführen. Als
trauernde Flaneure sitzen, stehen oder liegen sie an den verschiedensten Stellen des
Denkmals.
Die Begriffe sind aus Bronze gefertigt und verteilen sich wie Baumaterialen über die
Anlage. So, als würden sie jeden Augenblick an die richtige Stelle gebracht und eingebaut.
So, als ginge es darum, an dem Denkmal noch einige wichtige Erweiterungen oder
Veränderungen vorzunehmen. An manchen Stellen geschieht das mit einer betonten
Beiläufigkeit, die fast nachlässig wirkt. Die Anwesenheit der massiven Schriftzüge
durchbricht die strenge Ordnung der Anlage, hinterfragt und kommentiert mit einer
situativen Gestik. Am Rande geben Tafeln Auskunft über die Bedeutung der Begriffe und
ihrer Verwendung im Werk der Philosophen. Damit wird das in der Anlage praktische
Gedenken an die Opfer mit einem theoretischen Gegensatz konfrontiert, dem Irrsinn der
Sinn zur Seite gestellt. Es sind die Baumaterialien eines zukünftigen Gedenkens für ein
Trauergebäude, das nie fertig gestellt werden kann.

Super Grotesk

Posted in Alles, Arbeiten by vialewando on 20. Februar 2011

Wettbewerbsbeitrag für das Dokumentations- und Bildungszentrum „Repression in der SED-Diktatur“

„Super Grotesk“ war die meistbenutzte Schriftart in der DDR. In Schulen, Universitäten, in den Ministerien, auf Urkunden, Zeugnissen, in Büchern wie auch in geheimen Dokumenten fand sie Anwendung. Sie galt als unbelastet, weil sie zu Zeiten des Dritten Reiches so gut wie nicht eingesetzt wurde. Von Arno Drescher in den Dreißiger Jahren für die Schriftgießerei Schelter & Giesecke in Dresden entwickelt und nach dem 2. Weltkrieg für VEB Typoart als Bleisatz eingerichtet, wurde sie zu einer universellen, modernen Schrifttype, eine Art „Arial des Ostens“. Sie lehnt sich stark an die „Akzidenz Grotesk“ an, die Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde und als Meilenstein in der Schriftgestaltung gilt. Die DDR-Version geriet nach dem Fall der Mauer in Vergessenheit und wurde als belastete Schwester in der Grotesk-Schriftfamilie nur noch wenig benutzt. 1999 überarbeitete sie der Berliner Typograph Svend Smital und erweiterte sie um einige neue Schnitte. Seitdem wird sie wieder als digitale Version vertrieben. Die Schrift ist heute rehabilitiert. Sie erinnert an die utopischen Träume einer modernen zukunftsgewandten Gesellschaft, chic und minimalistisch, schnörkellos und praktisch.

Super grotesk ist auch die heutige Anlage des ehemaligen DDR-Ministeriums, sie hat ihren Schrecken verloren. Ihre Aura ist dahin. Einerseits ist die neue Nutzung durch Supermarkt und Gesundheitszentrum, Institution und Museum eine sinnvolle wie zweckmäßige Form der Öffnung. Andererseits bekommt eine Würstchenbude auf dem ehemaligen Appell- und Auffahrplatz für den informierten Besucher schon fast eine symbolische Bedeutung und könnte als ortsspezifischer Eingriff von Konzeptkunst missverstanden werden. Es fällt einem schwer, hier dem ganzen Ausmaß des Irrsinns nachzuspüren. Der Ort gibt sich der Lächerlichkeit preis. Subtiler kann man nach Erstürmung und Graffiti, nach Räumung und Enttarnung den Apparat von einst nicht vorführen. Aura hat es schwer heutzutage und besonders in Berlin. Die Arbeit der Gedenkstätte und der Behörde im Gebäudeinnern schaffen im Gegensatz dazu mit historischer Sachlichkeit, was dem Außenraum verwehrt bleibt. Hier bekommen kilometerlange Schriftdokumente eine Bedeutung, die Architektur und städtebauliche Situation nur bedingt repräsentieren können.

Der Schriftzug STASI liegt im Winkel von 45 Grad über der nordöstlichen Ecke des Vordaches vom Eingang Haus 1. Er ist 2,80 Meter hoch. Das entspricht der Bauhöhe einer Etage der umliegenden Wohnblocks Typ WBS 70 aus DDR-Zeit. In seiner Größe könnte es einem schriftunkundigen an einen Reklameschriftzug oder Firmensignet erinnern. Ganz in Weiß und mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet ist es nicht mehr als es ist: ein Wort. An dieser Stelle macht es den Anschein, als wäre es beim Abmontieren vom Dach hier abgestellt worden. Der Abtransport steht bevor. Es balanciert so auf der Ecke, dass nur das „A“ nicht frei schwebt. Ein Provisorium. Durch seine abgewinkelte Position ist der Schriftzug sowohl von der Einfahrt Normannenstraße wie auch von der Ruschestraße lesbar. Der Sichtschutzwall wird so zum Träger für das vormals geheim gehaltene Verborgene. Ein so überdimensionierter Verrat wird zum Gedenken und Andenken

Der Schriftzug, der Begriff, das Wort, die Kurzform ist nach nunmehr über 20 Jahren der Auflösung dieses Ministeriums international bekannt. Das englischsprachige Wikipedia listet STASI als Schlagwort auf. Somit steht dieser Begriff nicht nur für das MfS, sondern für die Gesamtheit des DDR-Überwachungsapparates. Der denunziatorische Ton des Wortes verkehrte schon zu DDR-Zeiten die Rollen zwischen Anzeigen und Verratenwerden: „…Stasi! Stasischwein! Der ist Stasi!“ Das Geheime, das Verdeckte wird zum Negativlogo, zum Synonym für jene Form von kollektiver Freiheitsberaubung und Erniedrigung, wie sie durch dieses Ministerium institutionalisiert wurde. Ein Wort genügt, ein Wort wird zur mahnenden Gedenksymbol.

Der Schriftzug kann für weitere Markierungen im Außenraum genutzt werden. Hier wird von der durchschnittlichen Größe einer Person ausgegangen, der Informationsstelen zu Grunde liegen. Vervielfältigt, verteilt um das Gelände in den anliegenden Straßenzügen leitet das zur Skulptur gewordene Logo zum Hauptschriftzug. Jede Stele trägt den weithin sichtbaren Schriftzug und kann bei näherer Betrachtung für zusätzliche Informationen Verwendung finden.

Bild 1: Der übermächtige Schriftzug benutzt den in der DDR weit verbreiteten Schriftfont „Super Grotesk“. Wie ein vom Dach abmontiertes Firmenlogo scheint es auf dem Vordach abgestellt zu sein.

Bild 2: Durch ihre angewinkelte Position ermöglicht die „Leuchtreklame“ ihre Lesbarkeit von beiden Zugängen auf das Gelände. Dennoch bleibt es eine skulpturale Geste, die durch die Volumen der Buchstaben formuliert wird.

Bild 3: Das Symbol verrät übergroß das ehemals Geheime und thront wie ein stummer Vorwurf auf der Sichtblende zum Haupteingang. Wie aus den Angeln gehoben wird das Wort zum monumentalen Denkzettel an der Fassade des Gebäudes.

Bild 4: Aus dem Gebäude gesehen sind die Seiten verkehrt. Der Besucher steht in den authentischen Räumen des Museums auf der falschen Seite. Von hier aus lässt sich der in dem Begriff implizierte Irrsinn begreifen.

Bild 5: Auch von hoher Entfernung ist die Schrift noch gut lesbar und wird zum Magneten. Durch seine hohe internationale Bekanntheit sind die fünf Buchstaben für Besucher unterschiedlicher Herkunft kein Geheimnis mehr.